"Safer Alcohol" gegen Abhängigkeit

Ein britischer Wissenschaftler fordert die Pharmaindustrie auf, einen Wirkstoffcocktail zu entwickeln, der nur die angenehmen Wirkungen von Alkohol vermittelt, aber nicht sĂĽchtig macht.

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David J. Nutt, Chef der psychopharmakologischen Abteilung an der Universität Bristol, prangert seit Jahren die Gefahren und Folgekosten der Alkoholsucht an. Jetzt fordert der Mediziner die Pharmaindustrie auf, einen Wirkstoffcocktail zu entwickeln, der nur die angenehmen Wirkungen von Alkohol vermittelt, nicht aber die negativen Effekte wie Schwindel oder Filmriss (Journal of Psychopharmacology 20 (3), 2006, 318 – 320).

Sein Vorschlag: Spezifische Moleküle – so genannte partielle Agonisten – maßschneidern, die nur an den Rezeptoruntereinheiten andocken, die die angenehmen Wirkungen von Alkohol vermitteln. Diejenigen Andockstellen, die für Lallen, Torkeln und andere unerwünschte Effekte verantwortlich sind, sollen sie verschmähen. Natürlich dürfte der Molekülmix auch nicht selbst süchtig machen. Nutt nennt seinen Alkoholersatz Safer Alkohol und sieht dafür nicht nur beim Entzug Einsatzmöglichkeiten, sondern durchaus auch im Alltag.

Die Angesprochenen sind indes wenig beeindruckt: In Deutschland ist die Forschung und Entwicklung von Wirkstoffen gegen Alkoholsucht bei den Pharma- und Biotech-Unternehmen kaum ein Thema. Dem Verband der forschenden Arzneimittelhersteller (VFA) ist kein Mitgliedsunternehmen bekannt, das auf diesem Gebiet tätig ist, so ein Pressesprecher. Die wenigen pharmazeutischen Firmen wie Pfizer oder GlaxoSmithKline, die an anderen Suchtkrankheiten wie Nikotinabhängigkeit forschen, haben vorerst nicht vor, auch die Alkoholkrankheit ins Visier zu nehmen.

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