Bundestags-LAN: Wenig Neugier auf Counter-Strike

Die erste LAN-Party für Politiker sollte Berührungsängste abbauen und die Diskussion um Ballerspiele versachlichen. Doch das Konzept ging nicht auf: Nur eine Handvoll Abgeordnete traute sich an Counter-Strike heran.

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"Jetzt mach' ich Dich fertig!" Es ist fast 22 Uhr, und FDP-Mann Jimmy Schulz fordert seinen Fraktionskollegen Manuel Höferlin zu einer Runde Counter-Strike auf. Der Tisch mit den Laptops um sie herum ist verwaist, endlich sind die beiden Abgeordneten ungestört. Die Profi-Gamer trinken im Nebenraum ihr Feierabendbier, die meisten Journalisten sind nach Hause gegangen. Schulz übernimmt die Rolle des Terroristen, Höferlin die des Polizisten. Zum Ersten mal an diesem Abend flackert echte Spielfreude auf.

Doch von Schulz und Höferlin erwartet ohnehin jedermann, dass sie ohne Hemmungen drauflosballern. Zusammen mit Dorothee Bär von der CSU hatten die beiden Liberalen die Idee für die LAN-Party im Bundestag und ihre 619 Co-Abgeordneten eingeladen. Die Resonanz fällt jedoch mau aus. Die Angaben zu den anwesenden Politikern schwanken zwischen "zwei Dutzend" und "70". Großen Anklang findet die Idee nur unter Journalisten: Den Sicherheitsbeamten zufolge haben sich rund 400 Medienvertreter angemeldet.

LAN Party im Deutschen Bundestag (5 Bilder)

Politiker-LAN im Bundestag

Auf der ersten Politiker-LAN im Bundestag konnten die Abgeordneten Musik-, Sport- und Geschicklichkeitsspiele testen, aber auch Shooter. An den Counter-Strike-Tisch trauten sich unter den Augen der Journalisten nur wenige Parlamentarier.

Der FDP-Medienexperte Burkhardt Müller-Sönksen gehört zu der Handvoll Abgeordneten, die sich Counter-Strike in der Öffentlichkeit stellen. Während er spielt, prasseln Fragen auf ihn ein: Wie er sich fühle? Ob seine Tochter das auch spielen dürfe? Nach ein paar Runden lässt er die Maus los und konzentriert sich auf die Fragen.

Nein, er finde Counter-Strike nicht toll, aber er könne verstehen, dass Menschen sich über Erfolgserlebnisse im Spiel freuen. Man müsse eben aufpassen, dass der Spieler zwischen virtueller und echter Welt trennen könne. Seine Tochter sei 15, man solle ihn in einem Jahr erneut fragen, wenn sie das Mindestalter für Counter-Strike erreicht hat. Irgendwann hat er genug und wehrt den Wunsch nach einem Radiointerview erschöpft ab.

Organisiert hat die Counter-Strike-Station die Spiele-Liga Electronic Sports League (ESL). Deren Sprecher Ibrahim Mazari beteuert zwar, dass er mit der Resonanz zufrieden sei. Doch ganz kann er seine Enttäuschung nicht verbergen. Eigentlich habe er sich vorgestellt, dass die Bundestags-Fraktionen gegeneinander antreten, sagt er. Doch dafür sind nicht annähernd genügend Kombattanten vor Ort.

Mehr Infos

Interview mit den Profi-Gamern Christoph Dölger (25) und Thorsten Dölger (22) vom Clan n!faculty.

c't: Sie haben zusammen mit Ihrem Clan n!faculty auf der Politiker-LAN ein Counter-Strike-Match vorgeführt und anschließend einzelnen Abgeordneten das Spiel erklärt. Wie war die Resonanz?

Christoph Dölger: Im Großen und Ganzen positiv und locker. Beim Showmatch haben 30 Abgeordnete gebannt zugeschaut. Im Anschluss gab es allerdings keine Fragen an uns. Und nur drei Abgeordnete von der FDP haben später mit uns gespielt.

c't: Und, wie haben die drei sich angestellt?

Thorsten Dölger: Einer hatte schon einmal einen Shooter gespielt, die anderen beiden nicht. Da mangelte es an der Augen-Hand-Koordination. Einer hat nicht richtig gezielt und beim Schießen die Maus hochgehoben. Aber das wurde schnell besser.

Christoph Dölger: Als einer der drei alleine herumgelaufen ist, ohne auf einen Gegner zu treffen, haben die anderen gefragt: 'Wo ist denn das Blut und die Gewalt?' Wir haben dann erklärt, dass die deutsche Counter-Strike-Version ohne Blut auskommt.

c't: Der CSU-Abgeordnete Hans-Peter Uhl sagte vor der Veranstaltung: 'Wozu soll ich lernen, wie man ein Killerspiel wie Counter Strike spielt?' Was hätten Sie ihm entgegnet, wenn er zur Politiker-LAN gekommen wäre?

Christoph Dölger: Ich hätte mir sehr gewünscht, dass er sich zumindest das Showmatch ansieht. Das hätte ihn mit Sicherheit überrascht. Er hätte gesehen, dass es nicht ums Töten geht, sondern ums Spielen und um Teamarbeit.

(cwo)