PDAs ohne Handyfunktion kommen außer Mode

Laut Gartner steht dem Absatz an Handhelds 2005 mit 15 Millionen ein neues Allzeithoch bevor. Zugleich üben sich verschiedene PDA-Marktforscher in smarter Rabulistik.

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Von
  • Sven-Olaf Suhl

Im abgelaufenen zweiten Quartal wurden weltweit 3,6 Millionen PDAs (Personal Digital Assistants) verkauft -- dies haben laut dpa die Marktforscher von Gartner festgestellt. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2004 bedeutet diese Zahl einen Anstieg um 32 Prozent. Die Gartner-Analysten halten es angesichts der aktuellen Marktentwicklung für möglich, dass im Gesamtjahr 2005 insgesamt 15 Millionen PDAs abgesetzt werden könnten -- damit wäre das bisherige Allzeithoch von 13,2 Millionen verkaufter Geräte im Jahr 2001 deutlich überschritten. Als Gründe für die positive Entwicklung werden zum einen eine zunehmende Tendenz unter mobilen Nutzern genannt, sich einen PDA anstelle eines Notebooks anzuschaffen, und zum anderen die Schwäche des US-Dollars gegenüber dem Euro. So habe sich in Westeuopa der Absatz im zweiten Quartal 2005 mit 1,3 Millionen PDAs gegenüber dem Vorjahreszeitraum nahezu verdoppelt, während der US-Markt mit 1,4 Millionen Stück stagniert habe. Der Anteil Westeuropas am Weltmarkt stieg damit auf 37 Prozent von 25 Prozent ein Jahr zuvor.

Der einstige Pionier und langjährige Marktführer Palm wurde den Erhebungen zufolge inzwischen von dem Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) deutlich überholt. RIM liegt nun mit 23,2 Prozent Marktanteil an der Spitze. Während RIM ein Wachstum um 64,7 Prozent hinlegte, ging der Absatz von Palm um 29,7 Prozent zurück. Der langjährige Marktführer liegt nun mit einem Anteil von 17,8 Prozent abgeschlagen an zweiter Stelle, gefolgt von Hewlett-Packard (12,5 Prozent Marktanteil) und Nokia (7,6 Prozent). T-Mobile legte von allen das stärkste Wachstum hin (703 Prozent) und erlangte mit 5,9 Prozent Marktanteil Platz fünf.

Bei den Betriebssystemen für PDAs verschlug es PalmOS sogar auf den dritten Platz. Das Betriebssystem des ehemaligen Marktführers sackte weiter um 40,9 Prozent ein und kommt nun auf 18,8 Prozent Marktanteil. Die Gewinner sind Microsofts Windows CE und RIM, die beide gut 64 Prozent Wachstum verzeichneten. Während Microsofts Windows CE mit 45,7 Prozent Marktanteil (36,6 Prozent ein Jahr zuvor) klar in Führung ging, folgt RIM mit 23,2 Prozent Marktanteil (zuvor 18,6 Prozent) auf dem zweiten Platz.

Die Marktzahlen von Gartner scheinen in direktem Widerspruch zu den erst vor wenigen Tagen von den Marktbeobachtern von IDC veröffentlichten Zahlen zu stehen: IDC hatte darin dem PDA-Markt ein Schrumpfen im sechsten Quartal in Folge attestiert. Laut IDC wurden im zweiten Quartal weltweit gerade einmal 1.749.873 Handhelds ausgeliefert, 20,8 Prozent weniger als im Vergleichsquartal des Vorjahres und 24,9 Prozent weniger als im ersten Vierteljahr 2005.

Der wichtigste Grund für die abweichenden Zahlen und die daraus abgeleiteten widersprüchlichen Markttendenzen: Gartner und IDC verwenden unterschiedliche Definitionen von Handheld-Geräten. Gartner definiert den PDAs als primär zur Datenverarbeitung dienendes Gerät mit einem Gewicht unter einem US-Pound (circa 453 Gramm), das zur Bedienung überwiegend in beiden Händen gehalten wird. Laut dem in US-Berichten zitierten Gartner-Analysten Todd Kort werden Geräte wie Palms Treo 650 oder der Blackberry 7100 daher nicht in den PDA-Marktzahlen erfasst, da sie nach Gartner-Definition Smartphones darstellen. Andererseits zählt Gartner Geräte wie den Communicator 9300 und 9500 zu den PDAs, obwohl Nokia selbst diese Zwitter aus Telefon und Surfmaschine auch "Smartphone" nennt. Für Gartner-Analyst Kort ist ausschlaggebend, dass man die Communicator-Modelle aufklappen kann, um dann Tastatureingaben mit beiden Händen vorzunehmen.

IDC definiert den PDA hingegen als Gerät im Taschenformat ("pocket-size"), das sich mit einem PC synchronisieren lässt und schließt Handheld-Computer mit zusätzlicher Handyfunktion kategorisch aus. Insoweit überrascht es nicht, dass IDC kontinuierliche Rückgänge verkündet, während Gartner "seinen" PDAs eine rosige Zukunft attestiert. Mit seiner Zählweise kommt IDC nicht nur auf absolut niedrigere Stückzahlen je Zeiteinheit, sondern dokumentiert zugleich den Niedergang eines eng umrissenen Gerätetyps. Offensichtlich bevorzugen immer mehr Nutzer einen Taschencomputer mit Handyfunktion oder ein Mobiltelefon mit PDA-Funktionen, anstatt zwei separate Geräte herumtragen zu müssen. (ssu)