Spielerisches holographisches TV
Microsofts Bewegungssteuerung Kinect dient Forschern am MIT Media Lab zur Erfassung von 3D-Bildern, die dann zu Hologrammen im Stil von "Star Wars" werden.
Microsofts Bewegungssteuerung Kinect dient Forschern am MIT Media Lab zur Erfassung von 3D-Bildern, die dann zu Hologrammen im Stil von "Star Wars" werden.
Seit November vergangenen Jahres ist der Bewegungssensor für die Spielekonsole Xbox 360 mittlerweile erhältlich. In dieser Zeit traten Hacker und Bastler eine echte Innovationswelle rund um das mittlerweile über acht Millionen Mal verkaufte Kameramodul los. Mit Kinect, nur 150 Euro teuer und problemlos per USB-Schnittstelle an jeden PC anschließbar, wurden die unterschiedlichsten Experimente aus dem Bereich der Ganzkörperbewegungssteuerung durchgeführt – vom virtuellen Puppenspiel bis hin zur TV-Fernbedienung nur mit einer Hand.
Forscher am Media Lab des Massachusetts Institute of Technology gehen nun noch einen Schritt weiter: In den letzten Monaten haben sie aus dem Kinect-Bewegungserfassungsmodul in Verbindung mit mehreren herkömmlichen Grafikkarten ein Übertragungssystem für holografische Videos geschaffen.
Professor Michael Bove und seine Object-Based Media Group kannten die Technik hinter Kinect bereits, schließlich arbeiten sie schon seit längerem mit dem Hardware-Entwickler hinter der Technik, der israelischen Firma PrimeSense, zusammen. Entsprechend begeistert sind die Forscher: Die Möglichkeiten, die der kostengünstige Sensor im Massenmarkt biete, seien fantastisch.
Kinect enthält laut der Forscher alle notwendigen Bauteile, um eine Person im Raum dreidimensional zu erfassen: eine RGB-Kamera, einen Infrarot-Projektor und einen Tiefensensor. Das so erkannte Signal lässt sich dann übertragen. "Alles, was wir für Signalerfassung und Verarbeitung verwenden, kann man so im Laden kaufen", sagt Bove stolz.
Das Microsoft-Modul sei die einzige Erfassungseinheit, die benötigt wird – im Gegensatz zu früheren Projekten ähnlicher Art, bei der mehr als ein Dutzend Kameras notwendig waren. Der Bewegungssensor hängt an einem Laptop, der das Bildsignal dann via Internet an einen PC überträgt. Dieser ist mit drei handelsübliche Grafikkarten von Nvidia mit insgesamt 18 Videoausgängen bestückt.
Eine eigens entwickelte Software entschlüsselt das dreidimensionale Kinect-Signal und verteilt es auf die verschiedenen Grafikkarten. So erreicht Boves Team eine Bildwiederholrate von 15 Einzelbildern pro Sekunde – bei Hologrammen bislang ungekannt hoch. Ergebnis ist ein Bild, dass an die berühmte Darstellung von Prinzessin Lea aus "Star Wars" erinnert – wenn auch noch in einer sehr geringen Auflösung, die bei umgerechnet 144 mal 512 Bildpunkten liegt. Wirklich beeindruckend ist die Darstellung daher (noch) nicht.
Ein Problem stellt zudem noch die Anzeige des holografischen Fernsehens dar. Kommerzielle Bildschirme in Laptop-Größe werden laut Bove noch mindestens fünf Jahre auf sich warten lassen. Im Versuch nutzen die Forscher deshalb ein Mitte der Neunzigerjahre am MIT entwickeltes holografisches Spezialdisplay. Farbe kann es noch nicht darstellen, doch das sei technisch ein wesentlich geringeres Problem als die Skalierung auf eine höhere Darstellungsgröße, sagen die Forscher. Um beispielsweise ein Hologramm in typischer Fernsehergröße ab 40 Zoll aufwärts zu generieren, müsste noch deutlich leistungsfähigere Hardware her. (bsc)