Öko als Wettbewerbsvorteil
Vor dem Hintergrund der globalen Energiekrise wird Umweltfreundlichkeit zum entscheidenden Erfolgsfaktor der globalen Wirtschaft.
Vor dem Hintergrund der globalen Energiekrise wird Umweltfreundlichkeit zum entscheidenden Erfolgsfaktor der globalen Wirtschaft. Zu diesem Schluss kommt Thomas Vasek in der aktuellen Ausgabe von Technology Review (seit heute am Kiosk oder portokostenfrei online zu bestellen).
Umweltschutz ist im Business angekommen – was gestern noch als Spinnerei von Naturfreaks und Tüftlern belächelt wurde, soll künftig Wachstum und Profite sichern. "Cleantech" heißt das Zauberwort, das durch die Hightech-Gemeinden rund um den Erdball geistert: Der Begriff steht für ressourcenschonende Technologien aller Art von Solarenergie über Brennstoffzellen bis zu Wasserversorgungssystemen für die Dritte Welt.
Pessimistische Szenarien sehen den Ölpreis schon bei 100 Dollar pro Barrel und mehr – und der Strompreis stieg in Deutschland in den vergangenen drei Jahren um rund die Hälfte an. Vor diesem Hintergrund hat ein Imagewandel der einst belächelten Öko-Produkte begonnen: So hat sich beispielsweise der US-Konzern General Electric mit seiner "Ecoimagination"-Initiative, die maßgeblich im europäischen GE-Forschungslabor in München entwickelt wird, ganz bewusst in Deutschland angesiedelt. "Die Grundidee von Ecomagination ist, dass neue Technologien für die Umwelt hervorragenden Business-Sense machen. Es geht um Produkte, mit denen sich unsere Kunden differenzieren können, die ihnen einen Marktvorteil geben", sagt Armin Pfoh, Leiter des europäischen GE-Forschungslabors.
Siemens Power Generation will dagegen die konventionelle Kraftwerkstechnik bis zum Letzten ausschöpfen und Gasturbinen mit einem Wirkungsgrad von über 60 Prozent konstruieren. Die nächste Kraftwerksgeneration soll dann auf IGCC (Integrated Gasification Combined Cycle) beruhen – dabei wird der Brennstoff zunächst in ein wasserstoffreiches Gas umgewandelt, das dann in der Gasturbine verbrannt wird. Der Prozess ermöglicht es, das schädliche CO2 schon vor der Verbrennung abzutrennen und getrennt zu speichern.
Für den SPD-Bundestagsabgeordneten und Träger des alternativen Nobelpreises Hermann Scheer ist die aktuelle Entwicklung kaum überraschend. Nach Scheers Theorien bestimmt die Wahl der Energiequelle die Bereiststellungskette und damit letztlich das gesamte System der Energieversorgung. Fossile Energien haben eine lange Bereitstellungskette, erneuerbare Energien dagegen eine kurze – zudem gebe es dafür den Brennstoff umsonst. Unter diesen Umständen funktioniert der Energiemarkt "nicht mehr wie ein Energiemarkt, sondern wie ein Technikmarkt". (wst)