Schavan offen für Alternativen zum Stichtag für Stammzellenforschung
Die Bundesforschungsministerin zeigt Kompromissbereitschaft bei der umstrittenen Stichtagregelung für die Forschung mit embryonalen Stammzellen.
Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hat weitgehende Kompromissbereitschaft bei der umstrittenen Stichtagregelung bei der Forschung mit embryonalen Stammzellenforschung erkennen lassen. In der derzeitigen Regelung dürfen nur embryonale Stammzellenlinien verwendet werden, die vor dem 1. Januar 2002 gezeugt worden sind. Forscher kritisieren, dass die 22 diesem Kriterien entsprechenden Stammzellenlinien wegen Verunreinigungen weder zur Forschung noch zur Therapie zu verwenden seien und dass Deutschland somit von der internationalen Stammzellenforschung ausgeschlossen sei.
Im Gespräch mit Technology Review zeigte sich Schavan nun aufgeschlossen für Alternativen zur Stichtagregelung. Vom Kern des Stammzellengesetzes vom Juli 2002 will Schavan indes nicht abrücken. "Die Substanz des Gesetzes und der damit verbundene Lebensschutz muss gewahrt bleiben. Da wird es auch keine Lockerung geben. Aber wir werden die Frage prüfen, ob es außer dem Stichtag auch andere Instrumente gibt, mit denen die Substanz des Gesetzes erhalten bleibt", sagte Schavan. Auch eine Verlegung des Stichtag nach hinten ist für die Ministerin denkbar: "Entscheidend ist, dass ein Stichtag sicherstellt, dass kein Anreiz für die Herstellung von embryonalen Stammzellen entsteht." Auf die Frage, ob damit nicht prinzipiell jeder in der Vergangenheit liegenden Stichtag in Frage komme, antwortete Schavan: "Jedenfalls ist er nicht ausschließlich an ein einzelnes Datum gebunden." (grh)