Hightech-Schiffe aus Europa
Nicht nur die IT-Industrie, auch der Schiffbau hat zunehmend mit Produktpiraterie zu kämpfen. Das berichtet das Magazin Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe.
Nicht nur die IT-Industrie, auch der Schiffbau hat zunehmend mit Produktpiraterie zu kämpfen. Das berichtet das Magazin Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe (seit dem heutigen Donnerstag am Kiosk oder portokostenfrei online zu bestellen). Inzwischen werde von ausländischen Auftraggebern oft eine Zusammenarbeit mit Firmen vor Ort eingefordert. "Dies bedeutet dann häufig einen Wissenstransfer bis zu 100 Prozent", klagt Werner Lundt, Hauptgeschäftsführer des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik (VSM). Für den europäischen Schiffbau käme es deshalb darauf an, "schneller zu innovieren, als andere kopieren".
In einem sechzehn Seiten umfassenden Schwerpunkt zeigt Technology Review, wie sich Schiffbau von einer durch Pleiten gebeutelten Branche zu einer Boom-Branche gewandelt hat – vor allem dank der Globalisierung: Die Gesamtmenge aller per Schiff transportierten Güter hat sich seit Anfang der achtziger Jahre fast verdoppelt. Allein 3.500 Containerschiffe, 16.000 Stückgutfrachter und über 11.000 Tanker sind dafür weltweit im Einsatz.
Vor allem das enorme Wirtschaftswachstum in China und anderen fernöstlichen Ländern und der damit verbundene Bedarf an neuen Handelskapazitäten sorgen dafür, dass die Orderbücher der Schiffbau-Branche auf der ganzen Welt gut gefüllt sind: Mitte dieses Jahres standen darin 6100 Bestellungen – nicht weniger als das Vierfache der gesamten Jahresproduktion von 2005. Südkorea ist dabei die führende Schiffbaunation mit einem Marktanteil von 37 Prozent, gefolgt von Japan mit 24 Prozent und China mit 17 Prozent. Mit etwas über drei Prozent steht Deutschland an vierter Position. Die meist mittelständischen Unternehmen hierzulande fertigen vor allem technisch anspruchsvolle und daher wesentlich teurere Einzelstücke oder kleine Serien: Fähren und Kreuzfahrtschiffe, Spezial- und Marine-Schiffe, Yachten sowie kleinere Frachtschiffe.
Doch friedliche Koexistenz ist nicht angesagt: China hat sich durch Parteitagsbeschluss das Ziel gesetzt, Nummer eins im Weltschiffbau zu werden, Länder wie Vietnam und Indien errichten mit staatlicher Hilfe neue Werften. "Durch diesen Verdrängungswettbewerb steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich zum Beispiel die koreanischen Werften in den klassischen Marktsegmenten der Europäer probieren", sagt Lundt.
- Den Schwerpunkt Schiffbau bringt Technology Review in seiner neuen Ausgabe 12/2006, die ist seit heute am Kiosk zu haben, aber auch online portokostenfrei zu bestellen ist.
(wst)