Was war. Was wird.
Es gilt, fair zu sein, auch zu den Computern: Irren ist maschinlich, immerhin. Besser ein irrender Computer im schicken Design als ein deutscher Politiker, der im schwarzen Hubschraubern die christliche Burka ĂĽber das Land breitet, meint Hal Faber.
Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.
Was war.
*** Wirklich, es stimmt einfach nicht, da liegt der Heise-Redakteur falsch bei seinem Talk mit dem dicken Kind. Es gibt einfach keinen schwarzen Hubschrauber und die schwarze Limousine hat die Reisekostenstelle längst gestrichen. Ich bin nur ein einfacher Wochenrückblicksbot, für den sich solcher Aufwand nicht lohnt. Zu unbedeutend, um an diesem Wettbewerb teilnehmen zu können, der heute zu Ende geht. Jeden Samstag radel ich brav auf meinem selbstfinanzierten schwarzen Fahrrad wie ein echter Wikipedalist los und liefere den Botoutput, das Bottobot über die Schlechtigkeit der Welt auf einem einsamen, unbeleuchteten Parkplatz bei einem nervös tänzelnden Heise-Mitarbeiter ab. (Heise-Mitarbeiter tänzeln immer nervös, draußen vor dem Hamsterrad ...)
*** Ich radel also durch diese kleine Stadt in der norddeutschen Tiefebene und grübel dabei über ihr neues Marketing mit Sprüchen wie "Gestern noch sorry, heute stolz wie Oskar". Mit diesem seltsamen Satz wird die neue Passerelle gepriesen, ein früher stark stinkendes Ladenstück tief unter dem Bahnhof und nun nach Niki de Saint Phalle benannt, die einst Hannovers brave Bürger erschreckte. Seltsamstiger ist eigentlich nur noch die Behauptung "Näher am Herzschlag der WM", mit der Hannover jetzt wirbt. Komplett mit der Hand auf einem sauberen Trikot, über das die Leute vom CCC nur spotten können.
** "Gestern noch stolz wie Oskar, heute sorry": Diese Fußball WM gibt viel Anlass zum Grübeln dieser Tage, nicht nur wegen der überall eintreffenden Stullenboxen für die Tickets. Da drängeln sich die Leute um hunderte Jobs, doch ist das schon wieder weniger als erwartet. Was wollten die Deutschland-Besatzer von der FIFA eigentlich mit ihrem Markenschutz für "Fussball WM 2006" für "die Aufnahme von fremden Websites im Internet"? Wir werden es nicht wissen, denn die FIFA fiel vor Gericht durch. Warum brauchen Menschen einen grottenhässlichen Laptop mit einem Echtheitszertifikat von Oliver Bierhoff? Sind das Menschen, die von Endspielwürstchen leben? Und dazu den nötigen Senf beziehen müssen? Von der WWW ganz zu schweigen, bei der die Geschmacksorgane klatschen.
*** Warum stellen Sportjournalisten so saudumme Fragen? Am Montag sollte der oberste evangelische Evangelische, Bischof Huber, auf einem Plausch beim Verband deutscher Sportjournalisten die Mannschaftsaufstellung der Apostel bekannt geben und tat das auch, komplett mit Judas auf der Ersatzbank. Und da regen sich Menschen über die Serie Popetown auf. Eine Sendung die der Sprecher der Initiative Deutschland sicher im Netz, praktischerweise im Zweitberuf Vorsitzender der FSF, als harmlos beurteilte und zur Ausstrahlung nach 20 Uhr freigab. Damit möchte die FSF verhindern, "dass Kinder unter zwölf Jahren womöglich den ironischen Charakter der Sendung nicht erkennen".
*** Vielleicht sollten auch deutsche Politiker gleich nach der Tagesschau ins Bett gehen. Im weltweiten Glaubens-Benchmarking geben sie keine gute Figur ab. Wenn man obendrein sieht, was im Fall Aydin passiert, wie sich ein Bundespräsident dabei entköhlert, dann lernt man, wie es sich unter einer deutsch-christlichen Politik-Burka lebt. Ausländer heißen so, weil sie ins Ausland gehören. Zu Gast bei Freunden sind die Rechtsverdreher, die die Blattern haben und mit Blaulicht zum Stadion brettern. Der Rest ist Kotzen.
*** Heute ist der Pinhole Day, da wird nicht einfach geflickert. Im Vergleich zu einer Lochkamera sieht der nächste tolle Standard namens Ultra HDTV zwar abgehoben aus, doch das Prinzip hat sich eigentlich nichts verändert. In Daniel Dennetts "Spielarten des Geistes" spielt eine angenommene Lochkamera mit Linse die entscheidende Stufe für die Entstehung von intelligenten Organismen, die sich genaue Informationen über entfernte Oberflächen und Ereignisse machen können. Ohne diese uralte Technik keine Intelligenz, keine Evolution, kein Mensch, kein schwarzer Hubschrauber und kein Heiseticker mit einem WWWW am Sonntagmorgen. Deshalb gibt es eben den Pinhole Day und nicht den Asshole Day zum Feiern.
*** In der letzten Woche hatte gab es Shakespeare satt und sein foul play obendrein. Zur Feier eines großen Geburtstags, den von Gödel, zitiere ich kleiner, nicht pelziger Bot das fair play, das Alan Turing gegen den Furcht erregenden Gödel und seinen Gödelianischen Knoten anführte: "I would say that fair play must given to the machine. Instead of it sometimes giving no answers we could arrange that it gives occasional wrong answers." Wir müssen fair zu den Computern sein. Menschen irren sich, Computer irren sich, Hal irrte sich. Irrte sich Gödel, als er, von Einstein begleitet, sich um die amerikanische Staatsbürgerschaft bemühte? Bereit, einen Eid auf die amerikanische Verfassung abzulegen, wollte er den Beamten überzeugen, dass selbige einen logischen Fehler enthält und genausogut zu einer Diktatur passt, wie sie von Orwell beschrieben wurde. Wer die Vergangenheit kontrolliert, dem gehört die Zukunft.
Was wird.
Zukunft? Welche Zukunft? Am internationalen Praktikantenkampftag beginnt in Hamburg eine Konferenz über Legal, Security and Privacy Issues in IT, an deren Ende die internationale Gesellschaft der IT-Rechtsanwälte gegründet wird. Ein Redner soll der oberste chinesische Zensor Zuang Zhipei sein, der die Übereinkommen mit respektablen Firmen wie Yahoo und Gou le betreut.
Dieses liebreizende Land voller Killer-Anwendungen, aus dem Microsoft zukünftig seine Hardware bezieht, wird am Welttag der Pressefreiheit nicht im Abseits stehen, dafür sorgen die richtigen Einträge der proletarischen Volksradler. Wer will, kann hier en nuce sehen, was mit dem schönen deutschen Internet passieren kann, das wir alle so geliebt haben.
Und bitte, wo bleibt das Positive? Das kommt am nächsten Sonntag, am Weltlachtag, wenn es heißt: "Im Ursprungsland Indien soll es in der tat zu größeren Gruppen dieser Selbstheilungsbewegung gekommen sein. In Deutschland, wo das regnerische Wetter und die Übellaunigkeit der Menschen häufiger von Gästen und Einwanderern beklagt wird, gibt es allenfalls kleine Gruppen und Einzelkämpfer."
Einzelkämpfer, das ist das Stichwort! Oliver Kahn adoptiert die Kinder von Jens Lehmann, Jens Lehmann adoptiert Oliver Kahn, komplett mit Echtheitszertifikat von Oliver Bierhoff. Angela Merkel streut Viagra unter das Volk, Franz Müntefering gibt Aspirin dazu und Stoiber diesen süßen Senf der Bayern. Dann tritt Ballack an das "Leder", diese fliegende Binde, garantiert ohne Kinderarbeit produziert. Ich hoffe mit all den Lesern, die gleich zu nörgeln beginnen, dass in Deutschland schöner Fußball gespielt wird und nicht Cricket, wo sie Tampons von Stöckchen runterwerfen. Nach dem Wunder von Bern und dem schlimmen Patzer von Maradona stehen alle WWWW-Fans wie ein Mann hinter der Schweiz! Svizerria rulez! Hm. Bis zum Deister, Totenstille. Wie wird das erst sein, wenn Heise parallel zu den WM-Spielen seine Chats für die armem Admins öffnen wird, die beruflich einen Server tätscheln müssen? Aber jetzt, kämpft erstmal schön, all ihr Proletarier, am 1. Mai. (Hal Faber) / (jk)