Sanyo prognostiziert Jahresverlust und baut erneut Stellen ab
Der angeschlagene Elektronikkonzern legt Halbjahreszahlen vor und erwartet Belastungen durch einen neuen Stellenabbau. Gleichzeitig wies Sanyo Berichte ĂĽber den anstehenden Verkauf der Mobilfunksparte zurĂĽck.
Der angeschlagene Elektronikkonzern Sanyo hat am vergangenen Freitag sein Ergebnis für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres bekannt gegeben und neue Restrukturierungsmaßnahmen angekündigt. Entgegen anders lautender Berichte der vergangenen Woche will Sanyo aber offenbar an seiner Mobilfunksparte festhalten. Die japanische Zeitung Nihon Keizai Shimbun hatte berichtet, der Konzern plane nach der Trennung von seiner Halbleitersparte nun den Verkauf des Mobilfunkgeschäfts an einen Wettbewerber.
Im Rahmen der neu angekündigten Maßnahmen soll die Mobilfunksparte nur umgebaut werden, um die Kosten zu drücken. Dazu gehören ein weiterer Stellenabbau, von dem auch andere Bereiche betroffen sind, und die Verlagerung der Fertigung ins billigere Ausland. Die Sparten Mobilfunk und digitale Kameras gehören zusammen mit Akkus und Solartechnik zum Kerngeschäft des Unternehmens und den tragenden Elementen des bereits angelaufenen Restrukturierungsprozesses. Beide Sparten sind durch Preisverfall und starken Wettbewerb unter Druck und erschweren die Bemühungen des Konzerns, wieder in sichere Fahrwasser zu gelangen.
Insgesamt will Sanyo zusätzlich zu den bereits beschlossenen 14.000 Stellen nun noch einmal 2200 Jobs abbauen. Die Kosten für die erneute Restrukturierung, die das Unternehmen auf 40 Milliarden Yen (265 Millionen Euro) beziffert, schlagen auf das erwartete Jahresergebnis durch. Sanyo musste die bisherige Jahresprognose von 20 Milliarden Yen (132 Millionen Euro) Gewinn dramatisch auf einen Verlust von 50 Milliarden Yen (330 Millionen Euro) korrigieren. Damit dürfte der Konzern das dritte Jahr in Folge dicke rote Zahlen schreiben.
Operativ hat sich Sanyo zwar erholen können und unter dem Strich einen geringeren Verlust als erwartet ausgewiesen, doch ist eine Trendwende für dieses Geschäftsjahr noch nicht in Sicht. Bei einem im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres (1,18 Billionen Yen) um gut 7 Prozent rückläufigen Umsatz von 1,1 Billionen Yen (7,3 Milliarden Euro) wies Sanyo einen geringeren Nettoverlust von 3,62 Milliarden Yen (23,9 Millionen Euro) aus als im Vorjahr. In den ersten sechs Monaten des vergangenen Geschäftsjahres hatte der Verlust noch 142,53 Milliarden Yen betragen.
Zu Beginn des kommenden Geschäftsjahres soll der Konzern wieder schwarze Zahlen schreiben. Sanyo steht dabei unter scharfer Beobachtung der Investoren um die US-Investmentbank Goldman-Sachs und zwei japanischen Banken. Goldman war im Frühjahr mit über einer Milliarde US-Dollar für Vorzugsaktien zu einem Discount-Preis bei Sanyo eingestiegen. Fraglich ist, ob die neuen Maßnahmen den Investoren ausreichen werden. Experten hatten mit tiefen Einschnitten gerechnet – wie dem Verkauf der Handysparte und dem Rückzug aus anderen Geschäftsbereichen. Sanyo ist sehr breit aufgestellt und baut unter anderem Waschmaschinen, Klimageräte und Kühlschränke, Handys und Digitalkameras. Die Fernseher-Herstellung konzentriert Sanyo bereits auf den Kernmarkt USA. (vbr)