ICANN: IANA soll privater werden
Nach Vorstellungen der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers soll die US-Regierung künftig unter anderem weniger Einfluss auf die Vergabe von IP-Adressblöcken nehmen.
- Monika Ermert
Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) will auch weiterhin die Rootzone managen, IP-Adressblöcke an die regionalen Internetverwalter ausgeben und das Verzeichnis technischer Protokollnummern für das Internet führen. Die US-Regierung soll darauf künftig weniger Einfluss nehmen. Das schlägt die ICANN in einer aktuellen Stellungnahme (PDF Dokument) zur laufenden Konsultation des US-Handelsministeriums über die Internet Assigned Numbers Authority (IANA) vor. Im IANA-Vertrag sind eine Reihe zentraler technischer Aufgaben für das globale Netz gebündelt.
Die ICANN hat 1998 die IANA-Aufgaben im Auftrag der US-Regierung übernommen. In ihrer Stellungnahme unterstreicht die private Netzverwaltung nun, das eigentliche Ziel des sogenannten "White Paper" sei die Überführung von IANA in die Hände des Privatsektors gewesen. Die unilaterale Aufsicht über die ICANN selbst hat die US-Regierung 2009 aufgegeben. Doch an der US-Hoheit über die Rootzone, über den zentralen Pool der IP-Adressen, über .arpa und die Protokollnummern-Registratur hält die National Telecommunications and Information Administration (NTIA), eine Behörde des Handelsministeriums, unbeirrt fest.
Mehrfach hatten US-Vertreter bekräftigt, dass die US-Verwaltung ihre Kontrolle über die Rootzone nicht aufgeben will. Diese Beharrlichkeit kalkuliert wohl auch die ICANN ein und fordert mit Blick auf diese neuralgische Aufgabe lediglich mehr Transparenz. Die ICANN solle beispielsweise den Betreibern von Top Level Domains mitteilen dürfen, wie es um Änderungen oder Neueintragungen für ihre Zone stehe, fordert die ICANN. Änderungen in der Rootzone müssten übrigens unverzüglich der Öffentlichkeit mitgeteilt werden. Auch die NTIA müsse ihre Arbeit transparenter machen, heißt es mit kaum verhohlener Kritik am bisherigen Verfahren. Die NTIA müsse den Status von Änderungen, die bei ihr geprüft würden, laufend veröffentlichen. Zuletzt hatte die NTIA wegen vertraglicher Fragen die Hinterlegung von DNSSEC-Schlüsselmaterial für die .arpa-Zone über Monate verzögert.
Der Betrieb von .arpa und .int, die IP-Adressvergabe an die regionalen Internetvergabestellen (RIR) – wie das RIPE in Europa – und die Registratur der Protokolladressen sollte künftig überhaupt nicht mehr Bestandteil des IANA-Vertrages sein, forderte die ICANN rundweg. "Es gibt keinerlei zwingenden Grund, warum diese Funktionen exklusiv durch einen Beschaffungsvertrag der US-Regierung geregelt werden sollen", heißt es in ICANNs Stellungnahme. Die US-Regierung sei überhaupt nicht in diese Aktivitäten involviert.
Geht es nach der ICANN, könnte sie dafür künftig eigene Verträge mit den RIRs und der Internet Engineering Task Force (IETF) schließen. So hätte die ICANN es wohl auch gern für zukünftige, neue Aufgaben im DNS, etwa die Verwaltung von Schlüsseln für IP-Adressen (RPKI). Auf keinen Fall sollten solche neue Aufgaben Bestandteil des IANA-Vertrages werden. Der IANA-Vertrag, der hauptsächlich den Betrieb der Rootzone beinhalten würde, soll übrigens laut ICANN ebenfalls eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit werden. Die Beschaffungsverträge der öffentlichen Hand laufen laut ICANN immer nur ein Jahr und binden den Vertragsnehmer ausschließlich an die Interessen der US-Öffentlichkeit. Auf die Rootzone passe das nicht.
Die Anhörung zum IANA-Vertrag läuft mindestens noch bis zum 31. März. Bislang haben nur wenige Experten eine Stellungnahme abgegeben, und dabei unter anderem auch eine Neubewertung des Vertrags zwischen der US-Regierung und dem Root-Betreiber VeriSign gefordert. Vertreter der NTIA sagten gegenüber heise online, eine Verlängerung des IANA-Vertrages in der jetzigen Form um weitere sechs Monate sei technisch möglich, wenn mehr Zeit für den Abschluss eines neuen Vertrags gebraucht werde. (hb)