Ich "mag" das nicht

Ob Googles "+1"-Knopf oder Facebooks "Like"-Button: Überall im Web kann man plötzlich seine Meinung abgeben, der Welt sagen, was einem gefällt. Doch diese Form der Pseudo-Demokratisierung führt nur zu noch mehr Datenspuren. Und Einheitsbrei.

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Ob Googles "+1"-Knopf oder Facebooks "Like"-Button: Überall im Web kann man plötzlich seine Meinung abgeben, der Welt sagen, was einem gefällt. Doch diese Form der Pseudo-Demokratisierung führt nur zu noch mehr Datenspuren. Und Einheitsbrei.

Als würden Google und Facebook nicht schon genug über uns wissen: Seit der Erfindung des "Like"-Buttons und nun (neu) des "+1"-Knopfes verfolgen das größte soziale Netzwerk der Welt und der Online-Riese ihre Nutzerschaft noch intensiver durch das Netz der Netze. Überall kann und soll man seither den Internet-Giganten mitteilen, dass man beispielsweise ein Produkt oder eine Seite mag – und das fließt dann wiederum zurück in den großen, allgemeinen Datenpool.

All das geschieht, um einem Götzen namens Personalisierung zu dienen, der uns ein ganz besonders an unsere Wünsche angepasstes Internet verspricht. Wenn man sich die Sache aber einmal näher betrachtet, ist der Wert für die Nutzer nahezu minimal.

Natürlich ist es super, der Welt mitzuteilen, dass man ein Netzangebot besonders mag – es ist ein Element der Pseudo-Demokratisierung. Aber inhaltlich, also zum Auffinden wirklich interessanten "Contents", hilft das überhaupt nicht weiter. Es bedeutet nur, dass besonders populäre Angebote weiter nach oben gespült werden, während der oft viel interessantere "Long Tail" leidet, beziehungsweise nur von tiefer suchenden Menschen überhaupt noch gefunden wird.

Auf der anderen Seite der Medaille stehen noch mehr Infos für die Datenkraken. Die wissen nun nicht mehr nur, was wir suchen (Google) oder welche Vorlieben wir haben (Facebook), sondern tracken uns mit den neuen Diensten künftig parallel durchs halbe Web, denn die tollen Knöpfe reichen bislang standardmäßig auch die IP-Adressen der User durch. (Datenschützern schmeckt das zum Glück nicht – mal sehen, ob es hilft.)

Ergo bringt das ganze Geklicke auf "Like" und "+1" vor allem den Urhebern der Dienste etwas, die damit noch mehr Daten fĂĽr (ebenfalls personalisierte) Werbung erhalten. Was fĂĽr ein GlĂĽck, dass es Filter gibt. (bsc)