Happy Birthday, M.I.T.

Vor 150 Jahren als Ort der unbegrenzten Lehr- und Lernfreiheit geplant, hat sich das Massachusetts Institute of Technology zu einem der weltweit wichtigsten Treiber zentraler Techniktrends entwickelt.

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Vor 150 Jahren als Ort der unbegrenzten Lehr- und Lernfreiheit geplant, hat sich das Massachusetts Institute of Technology zu einem der weltweit wichtigsten Treiber zentraler Techniktrends entwickelt.

Als der Geologe und Chemiker William Barton Rogers um 1846 seine ersten Pläne für eine „Polytechnische Schule“ formuliert, besteht Boston noch zu großen Teilen aus Sumpf, die USA aus nur 33 Bundesstaaten und der bürgerliche Bildungskanon vor allem aus Latein und Griechisch. Und das wird vom Katheder herab gelehrt. Rogers hingegen will eine Schule gründen, die „den Brauch der Beobachtung und des exakten Denkens kultiviert“. Es dauert noch 15 Jahre, bis er es nach mehreren vergeblichen Anläufen endlich geschafft hat: Am 11. April 1861 verabschiedet John Albion Andrew, Gouverneur von Massachusetts, das „Gesetz zur Errichtung des Massachusetts Institute of Technology“. Es konnten folgende Abschlüsse erworben werden: Mechanik-Konstrukteur und -Ingenieur, Landvermessungs-Ingenieur, Architekt, Chemiker, Geologe und Bergbau-Ingenieur.

In den folgenden Jahren sollte sich das M.I.T. zu einem der einflussreichsten Technikzentren der Welt entwickeln. 76 Nobelpreisträger sind aus dem M.I.T. hervorgegangen – unter ihnen sogar ein Friedensnobelpreisträger: Kofi Annan, 1997 bis 2006 Generalsekretär der Vereinten Nationen.

In einer Studie wurde errechnet, dass die von M.I.T.-Absolventen gegründeten Unternehmen zusammen rund 3,3 Millionen Menschen beschäftigen und jährlich etwa zwei Billionen Dollar umsetzen – mehr als das Bruttoinlandsprodukt von Brasilien. Zu den Konzernen mit M.I.T.-Wurzeln gehören die Unternehmensberatung Arthur D. Little, die Audio-Firma Bose, der Luftfahrtkonzern McDonnell Douglas sowie die Hardwarehersteller 3Com, Digital Equipment, Hewlett-Packard und Intel. Diese Erfolge lassen sich auf Prinzipien zurückführen, die schon Gründer Rogers etabliert hat. Ihm war es wichtiger, dass Studenten die naturwissenschaftlichen Grundlagen durchschauten, auf denen Technik beruht, statt Fakten zu pauken. Der Königsweg dazu war für ihn eine lebendige Verbindung von Lehre und Forschung und die Beschäftigung mit realen Problemen.

Aus diesen Grundsätzen hat sich eine spezielle, antiautoritäre M.I.T.-Kultur entwickelt. Schon in den ersten Semestern werden Studenten in die Forschung eingebunden; Prüfungen bestehen oft nicht aus einer Klausur, sondern darin, ein bestimmtes Problem im Team zu lösen, auch im Wettbewerb mit anderen Gruppen. Erworbenes Wissen soll nicht gehütet, sondern geteilt werden: Das M.I.T. stellt aktuell Unterlagen für mehr als 2000 Kurse frei zugänglich im Internet zur Verfügung. Allein durch Offenheit und Idealismus ist der Erfolg des M.I.T. allerdings nicht zu erklären. Auf die gut 10000 Studierenden und Doktoranden kommen rund 1000 Professoren – ein für deutsche Universitäten unglaublich luxuriöser Betreuungsschlüssel. Das hat seinen Preis: 39212 Dollar kostet ein Jahr am M.I.T. Dennoch bewerben sich jedes Jahr zehnmal so viele Menschen, wie es Studienplätze gibt. ... (grh)