4W

Was war. Was wird.

Es ist ein satanisches Lachen, das Hal Faber beim Lesen der Zeitungs- und Kommentarspalten ĂĽberkommt. Selbst zu Ostern will ihm das nicht im Halse stecken bleiben.

vorlesen Druckansicht 34 Kommentare lesen
Lesezeit: 7 Min.
Von
  • Hal Faber

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Sommerwetter zu Ostern, da darf das Sommerloch nicht fehlen, komplett mit Nessie, die als Hase über die Kommentarfelder hoppelt. Das iPhone ist ein übler Datenfresser, na sowas aber auch. Und Datenschützer, hahaha, setzen Apple unter Druck: Das Gelächter nimmt kein Ende. Drucksen wäre wohl das passendere Wort für die aufgewärmte Sensation, die das Osterloch füllen soll. Was ist die österliche Nachricht dieser Farce? Dass wir alle beten müssen, damit Steve Jobs wieder auferstehen kann? "Apple entsetzt weltweit seine Kunden", verkündet die Süddeutsche Zeitung reißerisch auf ihrer Titelseite zum Wochenende und verbreitert mal wieder die "Maßstäbe des Qualitätsjournalismus". Wie heißt es so schön bei den Musterschülern vom netzwerk recherche auf der Jahrestagung? "Aktualität geht vor Realität". Genau.

*** Ob iPhones, Blackberries oder der ganze Rest der tollen Smartphones: Es gibt kein Gerät, das nichts speichert. Jeder bessere Sonntagskrimi zeigt die Oberschurken, wie sie schnell die Batterie aus dem Telefon popeln, um nicht mit einer stillen SMS von den taffen Kriminalern geortet zu werden. Und was die ganzen Daten anbelangt: hopp und weg damit, ab in den Teich. "Das vordere Ende einer Kamera ist mindestens so gefährlich wie das vordere Ende eines Gewehrs", erzählte der Bendler-Blogger auf der längst vergessenen re:publica 2011 – und zeigte Smartphone-Fotos von einem deutschen Militäreinsatz in (!) Libyen. Ja, Kameras können töten.

*** Das vordere Ende einer smarten Informationsstruktur ist genauso gefährlich. All die Daten sind verräterisch und ein Fressen für die Verfolger. Ob die Meinungsfreiheit gefährdet ist, wie dies die ACLU meint, wenn es heißt: "Führerschein, Fahrzeugpapiere und Handy bitte", das soll ein US-Gericht klären. Die UFED-Geräte der ehemals israelischen, nun unter japanischen Fittichen operierenden Cellebrite sind in Deutschland jedenfalls bei Polizei und Militär beliebt, die Firma selbst ein gern gesehener Sponsor auf den Fachkongressen. Auf dem der Deutschen Polizeigewerkschaft warb man so: "Weltweit arbeiten derzeit mehr als 6000 Anwender aus den Bereichen Militär, Polizei, Zoll, Steuerfahndung und Geheimdiensten mit unseren Lösungen. Cellebrite hat den Kampf mit dem technischen Fortschritt aufgenommen und liefert nahezu monatlich aktualisierte Software, damit die Ermittler(innen) auch die neuesten Modelle untersuchen können." Aktuell können nach einer PR-Meldung 9200 Geräte untersucht werden: Wer etwas im Schilde führt, sollte die Finger vom Handy lassen.

*** Das ist eine Logik, die ausgerechnet unsere Kriminalbeamten nicht verstehen, wenn sie die Funkzellenauswertung bei Fahrzeugbrandserien fordern und kräftigst für die Vorratsdatenspeicherung werben. Bemerkenswert auch die anderen Fälle, bei denen angeblich nur die Datensammlung aller Bürgerlein weiterhelfen kann: Das Skimming am Bankautomaten und der Enkeltrick müssen jetzt als Grund dafür herhalten, dass die Vorratsdatenspeicherung überlebensnotwendig ist. Wer das wirklich glaubt, glaubt sicher auch, dass der Osterhase bemalte Eier legt.

*** Hart an der Kante zum Osterloch lauert eine weitere Themenwiederaufbereitungsanlage auf ihr großes Comeback, äh, auf die Auferstehung. Da fordert ein bayerischer Innenminister verwegen Microsoft heraus, wegen dieser totalen Verachtung des Datenschutzes und der geradezu preußischen Ignoranz der Biergartendenke. Sind die streikenden Grundwasserbetriebe verantwortlich, sind es bayerische Albträume vor Riesenkaninchen? Wie war das noch mit der Vorratsdatenspeicherung? Sie soll bei der Suche Suche von in Not geratenen Personen, deren Handys nicht mehr funktionstüchtig sind, helfen? Aber jedwede Kamerafahrt tut schwer nötigen bei Politikern, deren Hirn nicht mehr ... ach, lassen wir das. Darauf gibt des einen einen Seidl, Beisl, Dirndl? Ach, jetzt hab ich Wambo den Begriff gefunden. Ein Vignettl muss her und wird mit Nachdruck auf die Tagesordnung gesetzt in der leidigen Diskussion um die PKW-Maut, damit die Weißblauen bei den Grünen andocken können. Wie war das noch mit der Vorratsdatenspeicherung? Genau: Wenn die Daten da sind, sind die Daten da und können verwertet werden. Und ewig jodeln die Hinterwälder.

*** Zum Hasenfest hat es nicht gereicht, doch die Häschenschule ist gar so hoppelig nicht, wenn die Erklärung stimmt, dass der Hase zu Gott hoppelt, weil der Klippschliefer (Saphan) nicht in unseren Breiten lebt. Wobei es eigentlich streng lutheranisch ein Kaninchenfest sein müsste: Als die Phönizier nach Spanien kamen, hielten sie die Kaninchen für Klippschliefer und nannten das Land I-Saphan-I, was wiederum Luther inspirierte, die von Mönchen importierten Kaninchen in die Bibel aufzunehmen.

Was wird.

Nach dem großen Osterfeuersaufen folgt stante pede nach einer kurzen Woche der 1. Mai. Jetzt gilt: Bloß nicht schlapp machen! Auch wenn der Kampftag der Arbeiterklasse auf einen Feiertag der Priesterklasse fällt, reckt sich die schwielige Faust. Viele der ständig produzierten kleinen Kopftuchmädchen werden Hand in Hand mit dem sozialdemokratischen Sensenmann Sarrazin demonstrieren. Und Strahlemann Sigmar "Siggy Pop" Gabriel entpuppt sich als hohle Nuss und steht da wie Namensvetter Peter Gabriel nach der Produktion von Eve – vor dem Bankrott. Derweil beginnt die Abwanderung aus der sarrazindemokratischen Partei Deutschlands. Da kann man nur sagen: Gute Arbeit, Sarrazin und singen: Es steht ein Mann, ein Mann so fest wie eine Eiche!. Das hat kein Stil, das hat kein Ziel, da hilft nur Sithl. OK, 5 Euronen wandern ins Phrasenschwein. Apropos wandern: Allen Osterwanderern seien kühle Socken gewünscht und auch den Radlern eine strahlende Zukunft. Zum Singen gibt es die alten Kracher: Wie war das noch mit Biblis?

Natürlich darf diese Wochenschau nicht enden ohne einen Verweis auf die weltgrößte Hoppel-Gala am kommenden Freitag, wenn es Frösche, nein, Kaninchen, verdammt, Viagra, ähem, Manna regnet. Sämtliche Fernsehanstalten übertragen das, was der wunderbare Christopher Hitchens nüchtern als keep the show on the road bezeichnet. Nach der höchste Benchmarks setzenden Trauung von Lady Diana mit dem Prince of Piffle muss die Latte fallen. Was geht uns Libyien an, was dieses Abknallen in Syrien, was Yemen und Bahrain. Es gibt doch famose Monarchien, man schaue nur nach dem wundervoll beherrschten Königreich Saudi-Arabien, wo das zarte Pflänzchen der Demokratie in der Wüste blüht, ordentlich begossen von bundesdeutschen Transfers rechtsstaatlicher Werte. Zu Ostern werden eben bunte Sachen serviert: "Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern. Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern. Franz ..." Last Man Standing? Ach was. Musik. (jk)