Atommüll: USA überdenken Endlagerstrategie
Eine wissenschaftliche Studie empfiehlt der US-Regierung, den Atommüll aus amerikanischen Reaktoren erst einmal für 100 Jahre in Sicherheitsbehältern in einem zentralen Zwischenlager zu parken.
In den USA ist infolge des Fukushima-Unglücks eine Diskussion über den künftigen Verbleib des in den Kernkraftwerken anfallenden Atommülls in Gang gekommen. Eine in dieser Woche veröffentlichte Studie des MIT empfiehlt dazu eine radikale Lösung, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe: Das Land solle abgebrannte Brennstäbe aus ihren Kernreaktoren für die nächsten 100 Jahre vor allem in Sicherheitsbehältern aus Beton und Stahl zwischenlagern. Damit sei genug Zeit, eine langfristige Endlagerlösung zu finden, schreiben die Autoren, Eine solche Zwischenlagerung sei einer sofortigen Endlagerung, etwa im geplanten, aber bis heute nicht realisierten Yucca-Mountain-Komplex, vorzuziehen.
In den USA ist das Thema Atommüll noch dringlicher als in Europa: Zur Bauzeit der meisten amerikanischen Reaktoren hatte man eigentlich auf die Wiederaufarbeitung von Brennstäben gesetzt. Das hatte zur Folge, dass in den Kernkraftwerken nur so viel Platz für Atommüll vorgesehen war, wie er in zehn Jahren Betriebszeit anfällt. Als man später die Wiederaufarbeitung fallen ließ, wurde die Entsorgungsfrage an die Bundesebene übergeben.
Doch bislang hat keine US-Regierung das heiße Eisen wirklich angepackt. Die Frage, was mit dem Atommüll vor der Endlagerung geschehe, sei "offen gesagt ein nachgelagerter Gedanke" gewesen, konstatiert Ernest Moniz, Direktor der Energy Initiative des MIT und einer der Autoren des neuen Reports. Inzwischen sind etliche Reaktoren seit Jahrzehnten in Betrieb und deren Zwischenlagerkapazitäten längst "überdehnt". An einer wachsenden Zahl von Orten werden die abgebrannten Brennelemente beispielsweise in so genannten "Trockenlagern" untergebracht.
Ein systematisches Programm, verbrauchte Brennstäbe erst in Abklingbecken und dann in Sicherheitsbehältern in einem zentralen Zwischenlager zu parken, habe mehrere Vorteile gegenüber der bisherigen, unorganisierten Praxis. Sollten die Uranpreise steigen, könnte man sich beispielsweise auch für eine erneute Wiederaufarbeitung entscheiden und so billigen Brennstoff produzieren, argumentieren die Autoren. In diesem Szenario würde aus Atommüll eine Energierohstoffreserve vergleichbar mit den nationalen Ölreserven, so Andrew Kayak, der an der Studie mitgearbeitet hat.
Mehr zum Thema in Technology Review online:
(bsc)