Energieverschwendung

Das muss die Mutter aller Talkshows gewesen sein: Der Doku-Sender Phoenix hat am vergangenen Donnerstag das Expertenhearing der Ethikkommission zum Atomausstieg live ĂĽbertragen.

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Das muss die Mutter aller Talkshows gewesen sein: Der Doku-Sender Phoenix hat am vergangenen Donnerstag das Expertenhearing der Ethikkommission zum Atomausstieg live ĂĽbertragen.

Vier Runden, 28 geladene Fachleute, pro Experte ein 7-Minuten-Statement mit anschließender Fragerunde: Die Übertragung des Expertenhearings der Ethikkommission zum Atomausstieg war eine erstaunliche Veranstaltung. Im Mittelpunkt des Hearings standen die bekannten Fragen: Wie schnell können sämtlichen deutschen Atomkraftwerke abgeschaltet werden? Was kostet das und wer bezahlt es? Macht ein nationaler Alleingang beim Atomausstieg Sinn?

Über die Zusammensetzung dieser Kommission, die so illustre Ethik-Experten wie den Erzbischof von München und den Chef der industriefreundlichen Gewerkschaft IGBCE vereint, ist leicht lästern: "Die Mitglieder sind für verschiedene Einstellungen zur Kernenergie bekannt", verkündet die Wikipedia in ihrer unendlichen Weisheit. Aber das Programm dieser Anhörung lässt zumindest ein gewisses Durchhaltevermögen erahnen – wenn nicht gar ein wenig Erkenntnisinteresse. Maximaler Respekt.

Leider hatte ich keine Zeit, mir den ganzen Riemen anzutun. Musste arbeiten. Aber wozu haben wir Kollegen, die sich die Geschichte ansehen? Ein Überfliegen der einschlägigen Berichterstattung ist allerdings mehr als ernüchternd.

Schön und gut, Eon-Chef Johannes Teyssen hat vorgerechnet, dass wir bei einem Atomausstieg mit Strompreis-Erhöhungen von zehn Prozent rechnen müssen. Zehn Prozent – huuuhh, das ist echt gruselig. Warte, dann zahle ich – fast sechs Euro im Monat mehr für Strom! Und Eicke Weber, Leiter des Freiburger Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme, bezeichnete die Behauptung, der Umstieg auf erneuerbare Energien würde die Strompreise in die Höhe treiben und besonders stromintensive Industrien vertreiben, als "Lüge". Echt starke Worte – da könnte glatt ein bisschen Emotion durchgekommen sein.

Aber hat uns dieses Hearing wirklich schlauer gemacht? Hat es die gesellschaftlich Debatte um die künftige Energieversorgung nach vorne getrieben? Uns der Beantwortung wesentlicher Fragen näher gebracht? Nein, diese Simulation von Demokratie ist vor allem eins: Ein Lehrstück in Energieverschwendung. So gesehen hat es vielleicht doch ein bisschen was geholfen. (wst)