FCC-Versteigerung von Frequenzen für Breitband-Internet im Flugzeug gestartet

Neun Firmen nehmen an der US-Versteigerung von Funkfrequenzen teil, die direkte Luft-Boden-Datenverbindungen ermöglichen sollen. Die Technik unterscheidet sich grundlegend vom Connexion-System für Internet-Verbindungen im Flugzeug per Satellit.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Die für die Vergabe von Funkfrequenzen in den Vereinigten Staaten zuständige Federal Communications Commission (FCC) hat am heutigen Mittwoch mit der bereits Ende 2004 angekündigten Versteigerung von Frequenzen für Breitband-Zugänge in Flugzeugen begonnen. Insgesamt neun zugelassene Bewerber – darunter Verizon Communications (Verizon Airfone), der US-Billigflieger JetBlue Airways (Live TV) sowie AirCell, ein auf Kommunikationsanlagen für Privat-Jets spezialisiertes Unternehmen (PDF-Datei) – haben nun die Chance, im Bereich um 800 MHz entweder zwei sich überlappende 3-MHz-Blöcke oder einen 3-MHz- sowie einen 1-MHz-Block zu ersteigern, die jeweils für direkte Luft-Boden-Datenverbindungen vorgesehen sind.

Die dahinterstehende Technik unterscheidet sich damit grundlegend vom Connexion-System des US-Herstellers Boeing, bei dem Internet-Verbindungen über einen Satelliten hergestellt werden, der von einer zentralen Kontrollstelle in Colorado mit IP-Daten versorgt wird. Auf mehr als 100 Flugzeugen weltweit (darunter rund 50 Maschinen der Lufthansa) sind dafür bereits spezielle Empfangsanlagen installiert, die fortlaufend Kontakt zum Satelliten halten und mindestens 5 MBit/s Datendurchsatz bieten. Die Connexion-Empfangsanlagen koppeln dabei über einen Router insgesamt fünf in den Flugzeugen installierte WLAN-Stationen an das Netz.

Die Gewinner der aktuellen "Air-Ground-Spectrum"-Versteigerung sind weitgehend frei in der Gestaltung ihrer späteren Angebote für Sprach- und breitbandige Datendienste, eine Lockerung des Nutzungsverbots von herkömmlichen Mobiltelefonen an Bord ist damit allerdings nicht verbunden. Gedacht ist vielmehr, dass Gepräche künftig per VoIP (Voice over IP) entweder über fest installierte (Sitz-)Telefone oder VoIP-fähige Mobilgeräte abgewickelt werden. Die Internet-Anbindung von Laptops und PDAs der Fluggäste soll ähnlich wie beim Connexion-System über in der Kabine installierte WLANs erfolgen. Als Vorteil gegenüber dem Boeing-System stellen die interessierten Unternehmen heraus, dass es einfacher sei, die IP-Datenströme direkt zur Erde zu funken, statt den Umweg über einen Satelliten zu nehmen. Zudem sei das benötigte Equipment deutlich leichter, was niedrigere Kerosinkosten bedeute.

Unumstritten ist die Umgestaltung der Jets zu fliegenden Internet- und Call-Centern indes nicht. Schon jetzt befürchten viele Fluggäste, dass ähnlich wie in den ICEs der Bahn zum permanenten Tastatur-Geklapper künftig auch noch die Handy-Belästigung durch Sitznachbarn hinzukommt. So plant Airbus im neuen A380 beispielsweise den Einbau von GSM/GPRS-Basisstationen, die den Gesprächsempfang für Handy, PC oder Organizer an jedem Platz garantieren sollen. Die Signale werden per Channel-Selector-Technik an die Basisstationen gekoppelt und anschließend über Satellit in die GSM-Netze vermittelt. Aber selbst David Neeleman, Chef von JetBlue, das bei der Frequenz-Auktion mitbietet, erklärte, er wisse, wie wichtig gerade für Vielflieger eine ruhige Bordumgebung sei. Neeleman plädiert deshalb für eine rein textorientierte Datenanbindung in den Maschinen.

Kritik am zunehmenden Einsatz von elektronischen Geräten an Bord von Flugzeugen kommt auch von Wissenschaftlern. So hatte die Carnegie Mellon Universität (CMU) zuletzt davor gewarnt, dass das elektromagnetische Störpotenzial insbesondere von aktiven Mobiltelefonen in Flugzeugen größer sei, als bislang angenommen. Besonders störanfällig seien dabei die Navigationssysteme der Jets. Grundlage bildete eine Studie, für die sich die CMU-Forscher mit Zustimmung dreier Fluggesellschaften, der US-Flugaufsichtsbehörde FAA sowie der Transportation Security Administration selbst in die Flugzeuge setzen und auf zahlreichen Flügen die elektromagnetischen Emissionen in den Kabinen maßen.

Insgesamt erfassten die Wissenschaftler über einen Zeitraum von drei Monaten mehr als fünzig Stunden lang Daten, die sie später analysierten. Als besonders kritisch bewerteten sie die Störeinflüsse von Handys und PEDs (Portable Electronic Devices) auf im UKW-Bereich arbeitende Navigationssysteme wie das VOR (VHF-Omnidirectional Radio Range) und das Instrumenten-Landesystem sowie auf GPS-gestützte Avioniksysteme, die Frequenzen zwischen 1200 und 1600 MHz nutzen. "Anhand der Daten gehen wir davon aus, dass Mobiltelefone GPS-Instrumente bei Flugzeuglandungen unbrauchbar machen können", lautete damals die Kernaussage.

Für Fluggesellschaften ist ein erweitertes Informations- und Entertainment-Angebot an Bord ihrer Maschinen unterdessen ein wichtiges Differenzierungsmerkmal gegenüber Mitbewerbern im Markt und eine zusätzliche Einnahmequelle. So kostet eine Stunde "In-the-Air-Surfen" bei Connexion rund 10 US-Dollar, eine kompletter Tag wird mit knapp 27 US-Dollar abgerechnet. Und der Wunsch nach mehr ist groß: Nach Angaben von Connexion wünschen sich 61 Prozent der Kunden für die Zukunft die Möglichkeit, per Handy aus dem Flugzeug zu telefonieren. Ebenso groß sei das Interesse an Telefonaten via Internet. Live-Fernsehen wünschen sich laut Connexion 40 Prozent der Befragten. (pmz)