Freundin in der Wolke

Wem die Beziehungssuche zu schwer fällt, sollte sich bald eines neuen Cloud-Computing-Dienstes bedienen können, der den idealen Traumpartner im Netz abbilden wollte. Der Plan scheiterte am Widerstand Facebooks.

vorlesen Druckansicht 4 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.

Wem die Beziehungssuche zu schwer fällt, sollte sich bald eines neuen Cloud-Computing-Dienstes bedienen können, der den idealen Traumpartner im Netz abbilden wollte. Der Plan scheiterte am Widerstand Facebooks.

Zu wenig Zeit für eine echte Beziehung? Wenn es nach den anfänglichen Plänen des kalifornischen Start-up "Cloud Girlfriend" gegangen wäre, sollte es dafür bald eine einfache Lösung geben: Einen virtuellen Traumpartner, der nur in Social-Media-Diensten wie Facebook oder Twitter existiert – ein Cloud-Computing-Dienst für die Liebe, sozusagen. Dazu sollte sich der Nutzer genau aussuchen dürfen, wie die Person aussehen soll, konnte Eigenschaften und Hobbys definieren.

Anschließend wäre es dann möglich gewesen, im Web 2.0 mit der Person zu interagieren, ihr Nachrichten zu schicken, ihr virtuelles "Leben" etwa bei Facebook in einem Neuigkeitenstrom zu verfolgen. Um Sex, so sagten die Macher bei der Vorstellung, sollte es dabei nicht gehen. "Es ist einfach auch eine Möglichkeit, für eine echte Beziehung zu üben", so Gründer David Fuhriman. Computeralgorithmen sollten dabei nur teilweise hinter dem virtuellen Partner stehen, vieles Servicemitarbeiter über eine eigens entwickelte Software von Hand erledigen, damit der virtuelle Partner möglichst real wirkte.

Die Idee von "Cloud Girlfriend" kam offenbar gut an: Innerhalb kürzester Zeit waren die Einladungen für eine erste geschlossene Testphase vergriffen. Mittlerweile erwies sich die ursprüngliche Idee allerdings als nicht umsetzbar. Der Grund: In diversen sozialen Netzwerken ist eine falsche Identität, wie sie die "Freundin aus der Wolke" praktisch darstellt, schlicht und ergreifend verboten. Der größte Social-Networking-Anbieter der Welt, Facebook mit seinen bald 600 Millionen Mitgliedern, ist hier Vorreiter: Falsche Existenzen darf er schon laut seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen aus der Datenbank werfen.

Die Macher von "Cloud Girlfriend" gaben aber nicht etwa auf: Wie das bei amerikanischen Stehaufmännchen-Start-ups im Internet-Bereich üblich ist, wurde das sowieso auf wackeligen Beinen stehende Geschäftsmodell – der Dienst sollte standardmäßig gratis sein – mittlerweile überarbeitet.

Nun ist aus dem Service ein neuartiger Datingdienst geworden, den die Macher als "Kombination aus Match.com und Second Life" bezeichnen. Mitglieder dĂĽrfen sich nun nur auf der Plattform selbst in verschiedene Rollen begeben. Immerhin wird der Facebook-Account zur ĂśberprĂĽfung des Geschlechtes verwendet, doch anschlieĂźend beginnt ein soziologisches Experiment: Jeder User kann sich als ideale Person samt Bild stilisieren und anschlieĂźend mit anderen, ebenso erfundenen Charakteren (hinter denen wieder normale Menschen stecken) flirten.

Fuhrimans Grundidee, eine Plattform zum "Liebestraining", bleibt bestehen: Er hofft, dass nach den Erfahrungen eines virtuellen Beziehungsmanagements auch im echten Leben besser mit Partner und Partnerin umgegangen werden kann. Dazu dürfen sich die Teilnehmer auf "Cloud Girlfriend" auf Wunsch auch enttarnen. Auch wenn dabei sicher so manche Enttäuschung vorkommen dürfte. (bsc)