All Google, all the time
Der Netzriese will mit seinen neuen "Chromebooks" das komplette Online-Leben seiner Nutzer monopolisieren. Was technisch zunächst interessant klingt, hat Datenschutz-Alptraumpotenzial.
Ich weiß, es ist ein bisschen das, was die Amerikaner "Beating a dead horse" nennen, weil es so oft wiederholt wird, aber ich kann nur immer wieder sagen: Google will nur unsere Daten. Noch im vergangenen Jahr waren gut 99 Prozent der Umsätze des Netzriesen aus Onlinereklame gespeist. Da mag das Unternehmen auch noch so technisch ambitionierte Projekte starten – von der Multimediabox bis zum Handy-Betriebssystem – letztlich ist der Konzern ein purer Werbeverkäufer mit ziemlich vielen Anzeigeflächen. Und Reklame lässt sich bekanntlich am besten verkaufen, wenn man möglichst viel über die Nutzer weiß.
Die gute, alte Suchmaschinen-Werbung, die sich nach der Eingabe des Nutzers richtete, ist in den letzten Jahren durch enorm verfeinerte weitere Reklamevarianten ergänzt worden – von "interessensbasierten" Anzeigen, die zuvor das Surfverhalten tracken, bis hin zur Mobilwerbung, die den mehr oder minder genauen Aufenthaltsort des Users einbezieht.
Entsprechend vorsichtig muss man mittlerweile dabei sein, welche Dienste man von Google nutzen will: Man gibt dem Konzern noch mehr Infos, als er sowieso schon hat. (Facebook mit seinen von vorne herein zwangsweise personalisierten Daten ist praktisch gesehen noch schlimmer, aber das nur am Rande.)
Nun hat Google also in der vergangenen Woche eigene Notebooks vorgestellt. Die billigen Maschinen, hergestellt von Partnern wie Acer oder Samsung, sollen Privatkunden ebenso angeboten werden wie Firmen, die sie sogar für unter 30 Dollar pro User mieten können. Auf den Chromebooks läuft ein Linux-basiertes Google-Betriebssystem, das nicht mehr darstellt als einen Browser.
Nutzer der Kisten sollen alles im Web machen und das möglichst bei Google: E-Mails lagern bei Google Mail, Fotos bei Google Picasa, Videos bei YouTube, Dokumente bei Google Docs. Über WLAN oder UMTS sollen die Geräte möglichst dauerhaft mit dem Netz verbunden sein, für Offline-Zeiten gibt es kompakte Zwischenspeicher. Lokale Speichermöglichkeiten sollen nur noch eine Randerscheinung sein, die gesamten Daten lagern online.
Die Sache ist technisch gesehen spannend: Man kann ein Chromebook beispielsweise verlieren oder zerstören und muss dann nur ein Neues nehmen, das sich wieder mit dem Google-Account synchronisiert. Die Geräte sollen dank Integritätschecks außerdem sehr sicher sein und sich automatisch aktualisieren.
Ich frage mich andererseits allerdings, ob uns da nicht der nächste Datenschutzalptraum blüht. "All Google, all the time" bedeutet nämlich auch, dass der Nutzer die Souveränität über seine Daten verliert. Rückt Google die vielleicht an Polizeibehörden anderer Staaten heraus? Sind sie wirklich vor unbefugten Zugriffen geschützt? Was ist mit den Nutzungsstatistiken, die hier anfallen, verwendet Google die wieder für sein Hauptgeschäftsmodell, die Werbung?
All das sind Dinge, die aus einer hĂĽbschen Idee eine eher schlechte machen. Mal sehen, ob Nutzer sich fĂĽr das Modell begeistern lassen. (bsc)