Überraschungssieger bei der Computerschach-Weltmeisterschaft
In Reykjavik, wo vor 33 Jahren Bobby Fischer dem Russen Boris Spasski die Schachkrone entriss, trafen sich in der vergangenen Woche Schachprogrammierer, um den Computerweltmeister zu ermitteln.
In Reykjavik, wo vor 33 Jahren Bobby Fischer dem Russen Boris Spasski die Schachkrone entriss, trafen sich in der vergangenen Woche Schachprogrammierer, um den Computerweltmeister zu ermitteln. In den vergangenen neun Jahren gewannen nur zwei Programme diesen Titel, Shredder und DeepJunior.
Diesmal hatten die beiden Seriensieger trotz imposanter Hardware jedoch keine Chance; den Titel holte eine Freeware, das Programm Zappa, das nur einmal Remis spielte und zehn Partien gewann. Das Open-Source-Programm Fruit belegte den zweiten Platz, obwohl es nur auf einem Single-Prozessor-Rechner spielte, einem AMD64 mit 2,4 GHz. Zappa trat auf einer AMD64-Dual-Core-Maschine mit zwei CPUs an; Shredder nutzte einen Vierfach-AMD64 mit 2,6 GHz, den Programmen Diep und Crafty standen sogar DualCore-Vierfachrechner zur Verfügung. Und auch Junior spielte auf einem Vierfach-System. Genutzt hat nichts; während der Autor des Ranglistenführers Shredder sich wenigstens mit dem geteilten dritten Platz und dem Gewinn der Blitzschach-Weltmeisterschaft trösten konnte, ging Junior ganz leer aus.
Richtig gut besetzt war die WM aber nicht, denn es fehlten viele starke Programme, etwa Hydra, die momentan stärkste Schacheinheit dieses Planeten. Auch Fritz war nicht mit von der Partie, ebenso wenig der Überraschungssieger der gerade beendeten Chess960-Weltmeisterschaft, das Freeware-Programm Spike.
Weitere Informationen gibt es auf der Seite der Veranstalter, im WM-Tagebuch von Shredders Autor Stefan Meyer-Kahlen und bei der Computerschach-Fachzeitschrift CSS Online. (Lars Bremer) / (jk)