Von der Schwierigkeit, richtig zu handeln
Die USA wollen mit einem neuen Gesetz den Handel mit "blutigem" Coltan eindämmen. Ist das eine gute Idee?
Da schau her: Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe beschäftigt anscheinend nicht nur Geologen, sondern auch Ökonomen und Politikwissensschaftler. Oder jedenfalls Leute, die politisch denken.
Denn in der neusten Ausgabe ihres Newsletters „Commodity Top News“ berichtet die BGR über den „Dodd-Frank-Act“ und seine Auswirkungen auf den Tantalmarkt“. Na und, werden Sie sage. Was hat das mit Technologie zu tun? Eine ganze Menge: Tantal ist ein wichtiger Rohstoff für die Herstellung von Elektrolytkondensatoren - die wiederum in Laptops, Handys und Digitalkameras verbaut werden. Außerdem wird das Material als Zusatz für hochfeste Legierungen für Schneidwerkzeuge verwendet, die in der Luft- und Raumfahrtindustrie oder bei der Herstellung von Turbinenteilen zum Einsatz kommen. In den Handel kommt das Zeug in Form von Columbit-Tantalit - besser bekannt unter der Bezeichnung Coltan.
Ach, werden Sie sagen, darüber habe ich doch schon mal was gelesen: Schmutziger Krieg in Afrika und so. Richtig: Weltweit wurden laut BGR 2009 800- 900 Tonnen Tantal gefördert - rund 50 Prozent davon stammen aus Afrika; wahrscheinlich aus dem Kongo, Ruandam Burundi und Uganda. Wahrscheinlich? Ja, die ganze Geschichte ist ziemlich undurchsichtig: Raimund Bleischwitz, Co-Direktor am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie, schreibt im Internet: „In Zentralafrika sind Korruption und illegaler Handel an der Tagesordnung. Ein Vergleich der Handelsstatistiken zeigt, dass Ruanda deutlich mehr Coltan exportiert als es selber produziert und importiert. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich dabei um nicht deklariertes Coltan aus dem Nachbarland Kongo handelt. Größter Abnehmer ist China“.
Der „Dodd-Frank-Act“ soll diesen Machenschaften nun einen Riegel vorschieben, indem US-börsennotierte Unternehmen künftig die Herkunft Waren offenlegen müssen, sofern es sich um sogenannten Konflikt-Rohstoffe handelt. Aus Angst vor Imageverlusten, meint die BGR, würden die betroffenen Firmen also künftig die Finger von dieser Ware lassen und sich andere Rohstoffquellen suchen.
Ist doch eigentlich gut, könnte man meinen. Auf diese Weise wird der Finanzierung des schmutzigen Krieges in Afrika der Boden entzogen.
Doch so einfach ist die Sache nicht, schreibt das BGR. „Der örtlichen Bevölkerung würde damit die wichtigste Einkommensquelle entzogen“. Der faktische Boykott von afrikanischem Tantal würde zudem auch die kleinen Händler treffen, die sich gerade bemühen, einen sauberen Rohstoffhandel aufzubauen. Viel besser wäre es, eine lückenlose Nachweiskette über die Herkunft des gehandelten Tantals aufzubauen, so dass man „saubere“ Rohstoffe, die unter kontrollierten Bedingungen gefördert werden, von „Blutmineralien“ unterscheiden kann - rein technisch ist das wohl tatsächlich möglich. Politisch aber scheint das, zumindest von den USA, nicht gewollt. Warum? Darüber lässt sich trefflich spekulieren - möglicherweise wäre es der US-Regierung gar nicht so unrecht, wenn die chinesische Elektronik-Industrie in Lieferschwierigkeiten käme. Aber das ist reine Spekulation - und hilft den Afrikanern kein bisschen.
(wst)