AOL setzt auf Breitband und Werbung
Time-Warner-Chef Richard Parsons beteuert in einem Interview, das Unternehmen wolle AOL Deutschland behalten. Dies werde auch von Investoren empfohlen.
"AOL wächst und bringt eine Milliarde Dollar Cash-Flow. Und AOL Europe macht ebenfalls Gewinne", sagte Time-Warner-Chef Richard Parsons in einem Interview mit der Wirtschaftszeitschrift Capital. Dabei sei nach der Fusion von Time Warner und AOL 2001 die Entwicklung des Unternehmens anders als erwartet verlaufen, zumal die "Internetblase" geplatzt sei. Nun resümiert Parsons in dem Interview zufrieden, das mittlerweile Time Warner genannte Unternehmen habe im vergangenen Jahr 40 Milliarden US-Dollar eingenommen.
Die Frage, ob nach dem Verkauf von AOL Japan 2004 nun auch die deutsche Dependance zum Verlauf ansteht, verneinte Parsons: "Viele Investoren empfehlen uns, AOL zu behalten." Die Zahlung von 99,95 Euro pro Kunden AnschlussgebĂĽhr fĂĽr die Breitbandnutzung an die Telekom sei wichtig gewesen, um Zugang zu dem Netz zu gewinnen. "Im Breitbandbereich wachsen wir weiter. Das ist ein strategischer Vorteil, denn in den USA sind wir dort fĂĽhrend", sagte Parsons, der mit weiteren Verlusten von analog angeschlossenen Abonnenten rechnet.
Das Unternehmen, das sich mit nun 29 Millionen Kunden in den USA und Europa als größter Internetprovider der Welt sieht, hat nach eigenen Angaben bei der Onlinewerbung die höchsten Zuwachsraten. AOL erzielte laut Parsons 2004 vergangenes Jahr Werbeeinnahmen in Höhe von knapp einer Milliarde US-Dollar. Durch die Übernahme von Advertising.com im Sommer 2004 könne das Unternehmen besser von den Zuwachsraten bei der Onlinewerbung profitieren.
Der Verkauf der Warner Music Group vor gut einem Jahr geschah laut Parsons nicht aus der Befürchtung heraus, Musik werde lieber "gebrannt" als gekauft. "Ich glaube nicht, dass Piraterie das Musikgeschäft ruiniert", sagte der Time-Warner-Chef. Allerdings verändere die digitale Technologie das Musikgeschäft, das zudem zu impulsiv sei. "Wir wissen nicht, wie es sich in Zukunft gestaltet", gesteht Parsons ein. Auf dem Bereich der Distribution von digitalen Medien wolle Time Warner mit anderen Firmen im Bereich Medien, Elektronik und Software zusammenarbeiten, um das Urheberrecht zu schützen. Mit der Trilogie Der Herr der Ringe hat Time Warner knapp 5 Milliarden US-Dollar umgesetzt. (anw)