Mit Freunden suchen
Microsoft hat seinen Suchdienst um eine Facebook-Anbindung erweitert. Die möglichen Konsequenzen sind nicht nur schön.
Microsoft hat seinen Suchdienst um eine Facebook-Anbindung erweitert. Die möglichen Konsequenzen sind nicht nur schön.
240 Millionen Dollar hat sich Microsoft im Jahr 2007 den Einstieg beim mittlerweile weltweit größten sozialen Netzwerk Facebook kosten lassen. Die schon für sich genommen nicht gerade kleine Summe hatte einen direkten Einfluss auf die Gesamtbewertung des damals noch unprofitablen Web-2.0-Konzerns: Praktisch von heute auf morgen war das Unternehmen des damals gerade 23jährigen Mark Zuckerberg flotte 15 Milliarden Dollar schwer. Microsoft-Boss Steve Ballmer verlieh Facebook viel Legitimität, mittlerweile haben sich die Bewertungen nochmals verdrei- bis verfünffacht, je nach Analystenmeinung.
In Sachen Kooperation zwischen den beiden Technik-Schwergewichten hat sich allerdings bislang erstaunlich wenig getan. Microsoft bot hier mal eine Facebook-Version seiner Büroprogramme an und integrierte dort mal das soziale Netzwerk in seine Smartphone-Plattform. Facebook wiederum nutzte unter anderem den Microsoft-Kartendienst Bing Maps statt der – im Rest des Netzes an sich beliebteren – Konkurrenz von Google. Kein Wunder also, dass viele Beobachter lange meinten, Microsofts Investment sei vor allem eine Defensivmaßnahme gewesen, damit Facebook sich Google nicht zu arg nähert.
Nun zeichnet sich allerdings eine intensivere Freundschaft zwischen Zuckerbergs sozialem Netzwerk und Ballmers mehrdimensional aufgestellten Softwareriesen ab, der seit langem versucht, im Internet relevant zu bleiben. Facebook und Microsoft haben gerade eine breite Suchkooperation gestartet, die Facebook-Daten in Microsofts Google-Konkurrenten Bing integriert.
Der Deal, der für die beiden Partner nur der Einstieg in eine längerfristige Zusammenarbeit sein dürfte, sieht zunächst die Integration der "Ich mag das"-Funktionalität ("Like"-Knopf) von Facebook bei Bing vor. Die Daten der mittlerweile 500 Millionen Nutzer des sozialen Netzwerks sollen Microsoft helfen, bessere Suchergebnisse zu liefern.
Als Beispiel nennt Microsoft die Anfrage nach Restaurants: Während "normale" Nutzer nur das erhalten, was Bing im Web findet, bekommen Facebook-Nutzer ein verbessertes Ranking anhand der Vorlieben ihres Freundeskreises. Gleiches gilt bei Videos: Auch hier rutscht der Clip nach vorne, was die eigene "Peer Group" mag. Ziel der Partnerschaft soll sein, "Suche sozial" zu machen. Facebook-Chef Zuckerberg freut sich darüber hinaus offenkundig, mit Bing den "Underdog" im Suchmaschinenmarkt zu unterstützen – der sei derzeit besonders innovativ.
Google bastelt schon seit längerem an ähnlichen Ideen einer personalisierten Suche, die das Verhalten aus früheren Aktionen des Nutzers dazu verwendet, Ergebnislisten zu optimieren. Dabei erhält dann jeder User, falls er eingeloggt ist, seine eigene Suchmaschine. Allerdings verfügt der Internetriese nicht über den Datenschatz, den Facebook mit seinen Vernetzungsinfos und Abertausenden von Bewertungen via "Like"-Knopf besitzt.
Mir kommen bei all diesen "sozialen" Vorhaben eher unangenehme Gedanken. Will ich erstens überhaupt, dass meine Freunde immer "mitsurfen"? Oder wäre es nicht besser, grundlegend relevante Daten zu erhalten, statt im Saft der eigenen Peergroup zu schmoren? Und, was zweitens noch viel wichtiger ist: Die Zusammenführung von Suche und Netzwerkdaten hat datenschutztechnische Konsequenzen. Blieb man bei einer Suchmaschine normalerweise anonym, ist man das nun nicht mehr, auch wenn sich Microsoft und Google stets beteuern, es würden nur die notwendigsten Daten ausgetauscht. (bsc)