Schau mir in den Geldbeutel, Großer!

Google weiß bekanntlich viel über uns alle - und will nun noch mehr wissen. Doch Services wie "Wallet" könnten auch nach hinten losgehen.

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Google weiß bekanntlich viel über uns alle – und will nun noch mehr wissen. Doch Services wie "Wallet" könnten auch nach hinten losgehen.

Einer der vielleicht beklopptesten Web-2.0-Dienste der letzten Jahre war ein Service namens Blippy, bei dem Nutzer freiwillig ihre Kreditkartenkonten offenlegten, um der Welt zu kommunizieren, was sie schon wieder alles Tolles käuflich erworben hatten. Der erste Mini-Datenschutzskandal folgte auf dem Fuße: Aufgrund einer Fehlkonfiguration wurden die kompletten Kartennummern von vier Mitgliedern bei Google publiziert.

Mittlerweile hat sich der Dienst von seinem alten Geschäftsmodell verabschiedet und arbeitet als eher traditionelles Produkte-Review-Angebot. Doch Blippy ist durchaus ein warnendes Beispiel für das, was passieren kann, wenn sensible Zahlungsdaten und die wilde Welt des offenen Netzes kollidieren.

Ich hoffe ja nicht, dass Ähnliches auch bei Googles neuem Bezahldienst Wallet passieren könnte. So grundsätzlich klingt der Service nämlich praktisch: Mit einem passenden Smartphone, das einen Near-Field-Communication-Chip (NFC) enthält, kann man damit per "Handy-Auflegen" bezahlen.

Der Service erlaubt die Integration verschiedener Kredit- und Bonuskarten, bietet in den USA zehn Dollar Startguthaben an und wendet sich allgemein an Menschen, die dicke Brieftaschen hassen. Für mich persönlich wäre das eigentlich super: Mir gehen die lahmen Kartenzahlungen, die man etwa in Berliner Taxen ertragen muss, schon lange auf den Zeiger.

Das Problem: Man muss hier einmal mehr wissen, was eigentlich Googles Geschäft ist, aus dem über 90 Prozent der Umsätze stammen. Richtig geraten: Werbung, zunehmend personalisiert. Aus diesem Grund kostet die Verwendung von Wallet derzeit auch weder den Kunden etwas noch den Händler, der Suchriese holt sich im Gegensatz zu regulären Kreditkartenanbietern keinen Cent vom Umsatz.

Dafür möchte Google aber Daten sammeln können: Zumindest die Beträge (ohne Produkt) werden das anfangs sein, demnächst auch der Ort der Transaktionen (letzteres soll man einschalten können). Man kann sich schon vorstellen, wie mächtig solche Datensätze etwa für die Marktforschung wären.

Damit in Verbindung stehen neuartige Rabattdienste, die ortsbezogen arbeiten: Wenn man mit seinem Smartphone in der Stadt ist, können dann in der Nähe gelegene Läden und Restaurants den Nutzer mit Reklame beglücken.

So interessant und spannend das alles ist, es hat einen zentralen Pferdefuß: Bei Google landen noch mehr Daten, die diesmal sogar sehr persönlich sind. Schon die – zumindest nach einiger Zeit anonymisierten – Suchdaten sind höchst sensibel. Eine Aggregation mit Kaufdaten hat echtes Datenschutzalptraumpotenzial, auch wenn Google solche Pläne derzeit noch weit von sich weist. (bsc)