Sistema investiert in russischen Festnetzmarkt

Der vor kurzem wegen eines möglichen Einstiegs bei der Deutschen Telekom in die Schlagzeilen geratene russische Mischkonzern AFK Sistema übernimmt für knapp eine Milliarde Euro 25 Prozent der größten russischen Telekommunikationsholding Svyazinvest.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Der vor kurzem wegen eines möglichen Einstiegs bei der Deutschen Telekom in die Schlagzeilen geratene russische Mischkonzern AFK Sistema investiert in die größte russische Telekommunikationsholding Svyazinvest. Die Sistema-Tochter Comstar OTS übernehme von der zyprischen Mustcom Limited für 1,3 Milliarden US-Dollar (987 Millionen Euro) eine Sperrminorität von 25 Prozent plus eine Aktie von Svyazinvest, teilte Comstar am heutigen Dienstag in Moskau mit. Durch den Zukauf stiegen Comstar OTS und Sistema zu einem großen Festnetz-Betreiber in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) auf, sagte der Vorsitzende des Comstar-Aufsichtsrates, Sergej Schtschebetow, nach Angaben der Agentur Interfax.

Der russische Staat hatte die Sperrminorität an Svyazinvest 1997 für 1,875 Milliarden Dollar an die von George Soros kontrollierte Firma Mustcom verkauft. 2004 trat der Investmentbanker seinen nach der Finanzkrise von 1998 stark entwerteten Anteil für nur 625 Millionen Dollar an den US-Unternehmer Leonard Blavatnik ab, Chef von Access Industries. Der russische Staat hält 75 Prozent minus eine Aktie von Svyazinvest, das sieben große russische Provider kontrolliert, darunter Rostelekom, Nord-West Telekom und Uralsvyazinform. In der 2005 gegründeten Comstar sind alle Festnetz-Aktivitäten von AFK Sistema gebündelt. Bei einem Börsengang in London hatte Comstar im Februar dieses Jahres für 35 Prozent der Anteile 1,062 Milliarden US-Dollar erlöst.

Eine Beteiligung Sistemas an der Deutschen Telekom ist unterdessen vorerst vom Tisch. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) erklärte zuletzt, es stehe "überhaupt nicht zur Debatte", dass der russische Konzern bei der Telekom einsteige. Ein Gespräch mit Konzernchef Wladimir Jewtuschenkow sei "ergebnislos geblieben". Jewtuschenkow kündigte aber an, im kommenden Jahr einen zweiten Anlauf zu unternehmen, um eine Beteiligung an der Deutschen Telekom zu erwerben. Im Gespräch sind fünf bis zehn Prozent der T-Aktien. Spekulationen, er strebe sogar eine Sperrminorität an, weist Jewtuschenkow aber kategorisch zurück. (pmz)