Altnet fordert Lizenzgebühren von P2P-Tauschbörsen [Update]

Der Anbieter von Bezahlinhalten in Tauschbörsen Altnet fordert von P2P-Anbietern Lizenzgebühren für die Nutzung des so genannten "Truenames"-Patents.

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Der Anbieter von Bezahlinhalten in Tauschbörsen Altnet fordert von mehreren kommerziellen P2P-Anbietern Lizenzgebühren für die Nutzung des so genannten "Truenames"-Patents. Altnet hat sich Ende 2002 die Patente 5,978,791 und 6,415,280 B1 gesichert, die Verfahren zur Identifizierung und Verarbeitung von Dateien anhand ihrer Hash-Prüfsummen in Netzwerksystemen beschreiben; bei Hashes handelt es sich quasi um eindeutige Fingerabdrücke von Dateien, die mittels mathematischer Einwegfunktionen erzeugt werden.

Laut einem Bericht der Washington Post lud Altnet in einem Schreiben nun die Betreiber mehrerer in den USA ansässiger P2P-Firmen, darunter Lime Wire LLC (LimeWire), Free Peers (BearShare) und Mashboxx, ein, "über Möglichkeiten der Lizenzierung zu diskutieren". Einziger Lizenznehmner des Truenames-Patents ist bislang Kazaa, was wenig verwundert, ist Altnet doch ein Joint Venture von Brilliant Digital Entertainment (BDE) und den Entwicklern des von Kazaa genutzten P2P-Netzwerks.

Obwohl auch eDonkey/eMule und andere ebenfalls Hash-Werte zur Identifizierung von getauschten Dateien verwenden, verschont Altnet diese P2P-Börsen bisher. Deren Betreiber sind zum einen nicht in den USA ansässig; zum anderen nimmt Altnet hier wohl von entsprechenden Versuchen Abstand, weil es keinen eigentlichen Betreiber gibt, den man zu Lizenzzahlungen auffordern könnte.

Zuvor hatten Altnet/BDE bereits Abmahnungen an Firmen verschickt, die im Auftrag der amerikanischen Medienindustrie gefälschte Dateien in P2P-Börsen einschleusen und dabei nach Ansicht von Altnet das Truenames-Patent verletzten. Im September vergangenen Jahres hatte der Anbieter von Bezahlinhalten gar eine Zivilklage gegen die Firmen Overpeer, Loudeye und Media Sentry sowie den Verband der US-Musikindustrie RIAA selbst eingereicht.

[Update]: Inzwischen hat sich herausgestellt, dass auch die Entwickler oder Betreiber anderer P2P-Börsen von Altnet und Brilliant Digital Entertainment angeschrieben wurden. So leitete der eMule-Erfinder das ihm ebenfalls zugesandte Schreiben an heise online weiter. Darin wird auch er freundlich -- aber eindringlich -- zum Dialog aufgefordert. Der Website P2PNet zufolge muss sich auch Shareza mit Altnets Lizenzforderungen auseinandersetzen.

Viele Beobachter halten allerdings das nach einem Ausspruch von Freenet-Entwickler Ian Clarke in der P2P-Community als "Lahme Ente"-Patent (lame duck patent) bezeichnete Truenames-Patent für trivial. Sie erwarten nicht, dass Altnet bei etwaigen rechtlichen Schritten eine Chance auf die Durchsetzung des Patents hat. Sicherheit würde in diesem Fall allerdings nur eine Auseinandersetzung vor Gericht beziehungsweise eine Anfechtung des Patents bieten. (vza)