Angeklagter im Autodialer-Prozess bedauert Millionenbetrug
Als er die Dialer-Software programmierte, habe er nicht vor Augen gehabt, dass reale Menschen vor dem Computer sitzen, sagte der Angeklagte heute in seinem Schlusswort.
Im Prozess um einen Millionenbetrug mit Internet-Sex-Seiten hat ein Angeklagter am Landgericht Osnabrück am Freitag sein kriminelles Tun bedauert. Er habe beim Entwickeln der illegalen Einwahlprogramme völlig in einer virtuellen Welt gelebt, sagte der 35-Jährige in seinem Schlusswort. "Ich hatte nicht vor Augen, dass reale Menschen vor dem Computer saßen." Der Verteidiger plädierte auf höchstens zwei Jahre Haft und sagte, das Strafmaß müsse sich an den bereits verhängten Strafen orientieren. Ein Urteil soll am kommenden Mittwoch gesprochen werden.
In dem bisher größten Prozess um Internetkriminalität waren zwei der ursprünglich vier Angeklagten bereits zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Die Männer sollen mit illegalen Dialern einen Schaden von rund 12 Millionen Euro verursacht haben. Die Staatsanwaltschaft geht von 160.000 mutmaßlichen Betrugsopfern aus. Die Anklage hatte für den 35-Jährigen viereinhalb Jahre Haft gefordert. Für einen weiteren 31 Jahre alten Angeklagten hatte sie sechs Jahre Haft gefordert. Die Anwälte dieses Mannes hatten auf Freispruch plädiert. (dpa) / (anw)