Das zu schnelle Web

Mittlerweile schaltet Google standardmäßig die sogenannte Instant-Suche ein, personalisiert ungefragt jede Ergebnisliste und sorgt so für eine Beschleunigung, die nicht nur alten Netzhasen zu flott vorkommt.

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Mittlerweile schaltet Google standardmäßig die sogenannte Instant-Suche ein, personalisiert ungefragt jede Ergebnisliste und sorgt so für eine Beschleunigung, die nicht nur alten Netzhasen zu flott vorkommt.

Es gibt Tage, an denen komme ich mir manchmal ganz schön alt vor. Als jemand, der bereits seit langen Jahren im Netz zuhause ist, hat man ja so seine Gewohnheiten. Wenn dann ein viel benutzter Anbieter irgendetwas verändert, werde ich zum Opa aus den Simpsons, der bitteschön das zurückhaben will, was er schon immer hatte.

Aber der Reihe nach: Noch immer ist die Suchmaschine Googles Hauptprodukt – und als wichtigster Umsatzträger das Brot- und Buttergeschäft. Dennoch traut sich der Konzern zunehmend Veränderungen zu: In mehreren Schritten wurde das Angebot im Detail umgekrempelt, optisch aufgemotzt und mit neuen Funktionen erweitert, die zunächst nur ein paar User serviert bekamen, mittlerweile dann aber alle.

Mein aktuelles Lieblingshassobjekt ist Google Instant, mit dem es möglich wird, nach der Eingabe eines einzigen Buchstabens erste Ergebnisse angezeigt zu bekommen. Diese basieren auf einem Vorhersagealgorithmus, der unter anderem einbezieht, wo man sich gerade befindet und was man vorher alles gesucht hat.

Die Ergebnisse lassen sich sofort anpassen – dazu reicht die Eingabe weiterer Buchstaben oder das Annehmen von Vorschlägen mit den Cursor-Tasten. "Return" muss der Nutzer genauso wenig mehr drücken wie die "Suchen"-Taste per Mausklick betätigen. Einzige Voraussetzung ist ein moderner Browser wie Firefox, Safari, Google Chrome oder Internet Explorer ab Version 8. Und "Instant" ist dabei wörtlich gemeint: Die Ergebnisse kommen nahezu verzögerungsfrei, ein bisschen Zensur inklusive.

Warum Google Instant eingeführt hat, ist von geschäftlicher Seite her schnell erklärt: So tauchen bei der Suche viel mehr Anzeigen auf als zuvor – einfach deshalb, weil sich mit jedem eingegebenen Zeichen die Ergebnisseite ändert. Dies könnte Auswirkungen auf die Werbekosten haben, auch wenn Google betont, Reklametreibende bezahlten weiterhin pro Klick auf einen Werbelink.

Auch wird das Ranking der ersten paar Ergebnisse noch wichtiger als zuvor – Google Instant lädt nicht gerade dazu ein, auf die zweite oder dritte Ergebnisseite zu klicken, wenn man die ersten Treffer mit wenigen Tastendrücken anpassen kann. "Das wird Suchmaschinen-Marketing-Experten eine ganze Weile beschäftigen", hieß es von Experten bereits zur Vorstellung im letzten Jahr.

Instant macht mich persönlich nervös – auch, weil es nicht immer zu funktionieren scheint (die Ergebnisliste bleibt dann leer) und Zurück-Klicks nicht mehr richtig arbeiten (man kann nicht einfach zurück zum letzten Ergebnis).

Hinzu kommt ein tĂĽckisches Element, das Google ebenfalls allen Nutzern serviert, die es nicht explizit abdrehen: Eine Personalisierung nach frĂĽheren Auswahlen, die dann dazu fĂĽhren kann, dass man schnell im eigenen Saft schmort, wie Eli Pariser in seinem neuen Buch "Filter Bubble" eindrucksvoll beschreibt.

Fazit: Manchmal ist neu eben nicht unbedingt besser, macht nur nervöser. Google+ gefällt mir dagegen eigentlich ganz gut. (bsc)