Entwicklung der Aqua-Variante von OpenOffice für Macintosh eingestellt
Ein alternatives Projekt für eine native Mac-Version des Open-Source-Officepakets, NeoOffice/J, beruht auf OpenOffice und Java und befindet sich derzeit im Beta-Stadium.
Zwar gibt es schon seit Anfang 2003 eine Mac-Variante des Open-Source-Officepakets OpenOffice für Mac OS X, die mittlerweile zeitgleich mit neueren Windows- und Linux-Versionen erscheint, doch unter Mac-Anwendern stößt diese Portierung auf wenig Gegenliebe: Das Paket läuft nämlich nur unter einem gesondert zu installierenden X11-Grafikserver und integriert sich nicht in die Mac-eigene Oberfläche Aqua. Fenster und Dialoge im Unix-Design wirken auf dem schicken Desktop für die meisten Mac-Anwender wohl eher wie ein Fremdkörper.
Das Mac-Projekt begann zwar mit der Entwicklung einer nativen Mac-Variante, stieß aber schon Mitte 2003 auf kaum lösbare Probleme. Die gerade einmal zwei Programmierer veröffentlichten daraufhin einen Hilferuf an die Netzgemeinde, sich an der Entwicklung zu beteiligen. Offensichtlich hat dieser Aufruf wenig gefruchtet, denn das Projekt wurde eingefroren. Erst nach dem Erscheinen von OpenOffice 2.0, das in Kürze als Beta-Version und voraussichtlich Mitte des Jahres als Final Release erscheint, sollte die Entwicklung weitergehen.
Im gerade aktualisierten Zeitplan für die Mac-Portierung ist davon aber gar nicht mehr die Rede. Vielmehr preist das Mac-Projekt nur noch die Vorteile der X11-Realisierung und stellt unter anderem heraus, dass eine X11-Implementation auf jeden Fall stabiler als eine native Mac-Version laufen werde. Schließlich sei derselbe Code unter anderen Betriebssystemen bereits von unzähligen Benutzern und durch Suns Qualitätssicherung getestet.
Eine native Mac-Variante ließe sich demgegenüber erst dann realisieren, wenn das zugrundeliegende plattformübergreifende GUI-Framework VCL auf Aqua portiert wäre, wozu alle betriebssystemnahen Teile der Klassenbibliothek neu zu implementieren seien. Die dabei auftretenden Probleme beschrieb Patrick Luby, ehemaliger OpenOffice-Programmierer bei Sun und einer der wenigen Mitarbeiter am Mac-Portierungsprojekt, im Oktober vergangenen Jahres eindrucksvoll in der Portierungs-Mailingliste. Den gesamten Aufwand der VCL-Portierung schätzte Luby auf mehrere tausend Stunden an Entwicklungszeit, was das Mac-Projekt nicht leisten könne, zumal die beteiligten Entwickler nur in ihrer Freizeit daran arbeiten könnten.
Mit NeoOffice/J gründete Luby allerdings ein neues Projekt mit dem Ziel, die Probleme mit Java zu überwinden und auf diese Weise mehr Mac-Feeling in OpenOffice hineinzubringen. Derzeit steht die Ausgabe 1.1 als Beta-Version bereit, die auf dem nicht ganz aktuellen OpenOffice 1.1.3 basiert. NeoOffice benötigt kein X11, verwendet die Standardmenüs der Mac-Oberfläche und unterstützt alle auf dem Rechner installierten Fonts. Im Gegensatz zu OpenOffice funktioniert das Kopieren und Einfügen systemweit mit allen Mac-Anwendungen; die Software nutzt auch das Mac-eigene Drucksystem mit Vorschau und Speichern als PDF-Datei. In der aktuellen Beta-Version unterstützt NeoOffice bereits 40 Sprachen und soll einigermaßen stabil laufen.
Im Unterschied zu OpenOffice, das eine von den Entwicklern Dual-License-Strategie genannte Politik verfolgt, steht NeoOffice vollständig unter der GPL, wodurch die Entwickler sicherstellen wollen, dass alle Änderungen ebenfalls unter der GPL veröffentlicht werden müssen, um so proprietäre Modifikationen à la StarOffice zu verhindern. In der OpenOffice-Mailingliste gab dies auch gleich Anlass zu Streitereien über Lizenzen, unter anderem mit Sun-Mitarbeitern. ()