Apple schlägt wieder zu
Das neue Mac-Betriebssystem Lion bringt einige radikale Veränderungen mit sich, die sich nur die Steve-Jobs-Firma traut.
Momentan bekomme ich viele Klagemails von Bekannten und Freunden zu lesen, die ein schnelles Upgrade auf das neue Mac-Betriebssystem Lion gewagt haben. Schlappe 23 Euro 99 Preis, dazu der bequeme Download aus dem Apple-eigenen Software-Laden Mac App Store – ja, denken sich meine Kumpels und Kollegen, das kann man ja mal in ein, zwei Stunden machen.
Anschließend kommt dann einerseits recht viel Lob, weil Apple sich hier und da wirklich interessante Neuerungen ausgedacht hat. Anderseits hagelt es Hilferufe. Der Grund ist vor allem die Radikalität, mit der die Steve-Jobs-Firma nach wie vor zu Werke geht – obwohl sie von ihrer Größe her eigentlich längst softer hätte werden müssen.
Da wird dann mal eben eine Standardgeste, das Scrollen mit zwei Fingern, umgedreht, weil Lion ja nun mehr so sein soll wie das Mobilbetriebssystem iOS. (Apple nennt die neue Methode "natürlich", was Menschen, die es seit Jahren anders gelernt haben, zum Grinsen bringt.) Anwendungen speichern absofort alle geöffneten Fenster, was bereits zur ein oder anderen peinlichen Begegnung geführt haben soll. Oder: Dateien, die man seit zwei Wochen nicht bearbeitet hat, werden automatisch "gesperrt" - man muss einen Extraknopf drücken, um diese Archivversionen zu überschreiben.
Hinzu kommen noch allerlei andere Design-Änderungen – von Fenstern ohne Scrollleisten (die kommen nur, wenn man sie braucht) über eine erstaunlich graue (und damit unübersichtliche) Icon-Gestaltung bis hin zu einer komplett umgebauten Fensternavigation ("Mission Control" heißt das jetzt). Dass etwas ältere Programme nicht mehr laufen, erwähne ich erst gar nicht.
Trotzdem muss man Apple lobpreisen: Die Firma traut sich, neue Konzepte umzusetzen – und hat geradezu Angst vor Stillstand, obwohl so etwas wie das Betriebssystem Mac OS X schon zehn Jahre alt ist. Die Nutzer, glaubt man in Cupertino, werden sich schon daran gewöhnen, schließlich erhalten sie ja besseres. Für alle anderen gibt es hier ein paar rettende Tipps. (bsc)