Experte: Bahn vernachlässigt ihr Schienennetz

Die häufigen Verspätungen bei der Bahn haben System: Die Bahn hat über Jahre die Instandhaltung ihres Netzes vernachlässigt, schreibt der Eisenbahnbau-Professor Thomas Siefer in der aktuellen Ausgabe 1/2007 von Technology Review.

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Die häufigen Verspätungen bei der Bahn haben System: Aufgrund falscher Anreize habe das Unternehmen über Jahre die Instandhaltung seines Netzes vernachlässigt, urteilt Eisenbahnbau-Professor Thomas Siefer in der aktuellen Ausgabe 1/2007 von Technology Review (seit heute am Kiosk oder portokostenfrei online hier zu bestellen).

Siefer hat drei Faktoren ausgemacht, die zu einer systematischen Vernachlässigung des Netzes führen: zunächst ganz allgemein Sparprogramme, von denen auch die Ausgaben für die Netzinstandhaltung betroffen sind. Zweitens sei die Eisenbahninfrastruktur so langlebig, dass Versäumnisse erst mit deutlicher Verspätung Folgen zeigen. Und drittens habe die Bahn einen direkten Anreiz, Schienen verfallen zu lassen: Wenn ganze Teile des Gleises ausgetauscht werden müssen, bezahlt der Bund, wohingegen für laufende Wartungsarbeiten die Bahn selbst aufkommen muss.

Die Folge von all dem ist laut Siefer "ein schlechter werdender Zustand des Netzes, der sich in gesunkenem Fahrkomfort, Langsamfahrstellen und einer überalterten Anlagenstruktur äußert". In jüngster Zeit nähmen die verschleißbedingten Ausfälle zu. Allein im Jahr 2005 seien 400 neue Langsamfahrstellen hinzugekommen, die im Fahrplan nicht berücksichtigt wurden.

Selbst wenn sich die Bahn entscheiden sollte, den Rückstand aufholen zu wollen, ist nach den Worten Siefers nicht mit einer schnellen Besserung zu rechnen. Die Integration der nötigen Bauarbeiten in den laufenden Betrieb stelle "ein großes Problem" dar und könne selbst für zunehmende Verspätungen sorgen. Die netzweite Koordination der Arbeiten erfordere zudem einen Planungsvorlauf von mindestens 36 Monaten. Vermeiden ließen sie sich trotzdem nicht: "Erst wenn es gelungen ist, den Instandhaltungsrückstand aufzuarbeiten, wird es wieder möglich sein, dass die Bahn so pünktlich ist, wie es die Kunden erwarten."

Mehr dazu im 16-Seiten-Schwerpunkt von Technology Review 1/2007:

(wst)