Telekommunikationsbetreiber wandeln sich zu Diensteanbietern
Multimedia-Dienste wie IPTV oder Online-Spiele sollen Festznetz- wie Mobilfunkcarriern neue Einnahmequellen erschlieĂźen, verspricht Siemens-Com-Chef Thomas Ganswindt und preist das IP-based Multimedia Subsystem (IMS) als technische Universalplattform.
"Über Netze lassen sich so viele Dienste verbreiten wie nie zuvor," sagte Thomas Ganswindt, Vorsitzender des Bereichsvorstands von Siemens Communications auf der 12. Internationalen Handelsblatt-Jahrestagung Telekommarkt Europa in Bonn. "Telekommunikationsbetreiber müssen deshalb künftig eine Vielzahl von Diensten effizient und überschaubar verwalten können", betonte der Siemens-Manager. Künftig werde das so genannte Service Delivery Framework eine zentrale Rolle spielen.
Das IP-based Multimedia Subsystem (IMS) sei hierbei die geeignete einheitliche Plattform, da sie eine Vielzahl von Multimedia-IP-Diensten in mobilen oder festen Netzen ermögliche – von MMS bis hin zu IP-basiertem Fernsehen (IPTV). Siemens Communications habe deshalb intensiv in IPTV investiert und erst vor wenigen Tagen mit dem chinesischen Unternehmen PhotonicBridges einen Hersteller von optischen Übertragungssystemen gekauft. Mit IPTV verfüge Siemens über eine einsatzbereite Lösung und könne deshalb eine Vorreiterrolle einnehmen. Ganswindt sieht in IPTV "eine große Chance für Festnetzbetreiber, sich neu im Markt zu positionieren". IPTV sei aber auch ein Thema für die Mobilfunkbetreiber, die ihren Kunden eine "Breitbandnutzer-Erfahrung" vermitteln wollten. Noch, so räumte Ganswindt ein, sei die Kundenreaktion "eher verhalten", doch dies werde sich "dramatisch" verändern. In diesem Jahr befindet sich IMS in Europa noch im Praxistest. Für das nächste Jahr erwartet Ganswindt größere Rollouts.
Allerdings sei für Dienste wie mobiles Entertainment eine passende Kostenbasis nötig. Ganswindt merkte kritisch an: "So lange die Übertragung eines Spielfilms 200 Euro kosten kann, ist kein Massenmarkt in Sicht. Die Kosten müssen runter, aber die Qualität darf nicht leiden." Neue Wege bei den Geschäftsmodellen seien daher notwendig. Als möglichen Ansatz, neue Umsatzströme für die Telekommunikationsbetreiber zu erschließen, pries Ganswindt das kürzlich von Siemens vorgestellte und gemeinsam mit der Bertelsmann-Tochter Fremantle entwickelte Online-Spiel Master of Maya, das die Faszination von Sammelkarten in die Mobilfunkwelt übertragen will. Die Prognosen für Handyspiele sind Ganswindt zufolge vielversprechend – so soll sich der Anteil der mobilen Spiele am Spielmarkt bis 2010 verdreifachen. Spiele wie "Master of Maya" eröffneten jenseits des reinen Download-Vorgangs "nachhaltige Einnahmequellen durch die Interaktion des Spielers". In Asien sei Siemens damit auch auf eine "außerordentlich positive Resonanz gestoßen", berichtete der Siemens-Manager.
Zum Thema Konsolidierung in der Ausrüsterbranche, die aktuell mit der Fusion von ADC und Andrew voranschreitet, merkte Ganswindt an, dass Siemens Communications als Zulieferer viele Segmente abdecken müsse, da es nicht mehr genüge, Marktführer in einem einzelnen Segment zu sein. Dafür seien erhebliche Anstrengungen für entsprechende Anpassungen nötig. Selbst einzelne, hoch gehandelte Technologien wie Wimax würden 2010 weltweit nicht über ein Marktvolumen von drei Milliarden Euro herausreichen. Ganswindt sprach sich auch gegen eine Aufspaltung der kriselnden Siemens-Kommunikationssparte Com aus. "Es ist die richtige Entscheidung, beide Technologien zu behalten", sagte er. "Für uns ist ein großer Vorteil, in beiden Segmenten vertreten zu sein." (Christiane Schulzki-Haddouti) / (ssu)