Texas Instruments: Standard-Hardware für digitales Video

Eine einheitliche Plattform für Geräte, die digitale Videos abspielen, aufnehmen oder verarbeiten, soll die Video-Welt revolutionieren und TI ein ordentliches Stück vom lukrativen Digital-Home-Kuchen sichern.

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Von
  • Benjamin Benz

Mit großem Aufwand hat Texas Instruments auf drei über die Welt verteilten Pressekonferenzen ihre neue Strategie für digitales Video vorgestellt. Die DaVinci-Plattform soll alle nur denkbaren Anwendungen für digitales Video abdecken -- vom DVD-Player über mobile Videorekorder, Settop-Boxen, Video-Telefonen bis hin zu Sicherheitslösungen mit Gesichtserkennung. Die Plattform -- das eindeutig dominierende Wort auf der Pressekonferenz -- besteht dabei aus einer ganzen Familie verschiedener System-on-Chips und der dazu nötigen Software. Bei TI will man sich dabei in Zukunft deutlich mehr auf die Software-Seite konzentrieren. So sollen Anwendungsprogramme zwischen verschiedenen DaVinci-Geräten portierbar sein, weil zentrale Komponenten wie Videocodecs direkt von TI kommen. Eine einheitliche Entwicklungsumgebung soll die ganze Familie abdecken, egal ob es sich um einen winzigen stromsparenden Chip für Digitalkameras oder den Boliden für einen Videoserver handelt.

Was dagegen unter der Haube und hinter den großen Versprechungen steckt, ist bislang noch nebulös: Es wird wohl ein DSP-Kern aus der C64x-Familie von TI sein. Ihm soll ein weiterer Kern zur Seite stehen -- Branchenexperten denken dabei an einen IP-Core von ARM, aber auch andere seien denkbar. Auf eine konkrete Frage hin wollte DSP-Guru Gene Frantz nicht einmal MIPS ausschließen. Weitere Komponenten könnten Hardware-Beschleuniger für das En- oder Decodieren von Videos und sogar Schaltungen für die analoge Signalaufnahme sein. Erste DaVinci-Chips sollen noch in diesem Jahr folgen.

Von dieser vereinheitlichten Plattform verspricht sich TI den "DaVinci-Effekt". Hinter dieser Bezeichnung versteckt sich der Wunsch, dass Video-Anwendungen leichter portierbar werden und sich damit schneller verbreiten lassen. So könnte der gleiche Player-Code auf einem Handy oder einem Fernseher laufen. Das spart Entwicklungskosten und erlaubt beispielsweise Service-Providern Funktionen und Dienste in bestehende Geräte nachzurüsten -- vorrausgesetzt sie verwenden TI-Chips. Mit der DaVinci-Plattform möchte sich TI einen Teil des digital Home sichern, das Intel auf dem IDF lautstark propagierte. Auch AMD möchte mit Settop-Boxen in diesem Markt mitmischen. Intel plant allerdings das Wohnzimmer mit PC-Technik zu erobern, TI setzt auf integrierte, stromsparende Geräte.

Mit einem Marktanteil von rund 60 Prozent bei Handy-Prozessoren und als weltweit drittgrößter Chiphersteller ist die Ausgangsbasis dafür denkbar gut. Auch bei den digitalen Signalprozessoren ist TI extrem stark. Bislang bedient TI hauptsächlich zwei verschiedene Kundenkreise: Großkunden wie Nokia lassen sich hochspezialisierte Chips für genau ein Gerät (Handy) fertigen, ordern davon aber riesige Stückzahlen. Kleinere Kunden sind auf die allgemeinen DSPs angewiesen und müssen alle Zusatzfunktionen mit weiteren Chips abdecken. Die neue Familie soll nun die Lücke schließen. Die DaVinci-Chips werden als so genannte System-on-Chips alle Komponenten beinhalten, die für einen bestimmten Anwendungsbereich nötig sind. Sie sind daher nicht so universell wie die General-Purpose-DSPs, aber auch nicht so eingeschränkt wie die kundenspezifischen ICs. (bbe)