Tiscali nimmt legalen Dienst für P2P-Streaming vom Netz
Einen Monat nach der Einführung der Tiscali Juke Box in Italien und Großbritannien sieht sich das Unternehmen mit Forderungen der Musikindustrie konfrontiert und erhebt schwere Vorwürfe.
Der Internetprovider Tiscali hat seinen Peer-to-Peer-Streaming-Dienst Namens "Tiscali Juke Box" nach nur einem Monat wieder vom Netz genommen. Das Unternehmen sah sich zu diesem Schritt veranlasst, nachdem die Musikindustrie eine Abschaltung der Künstlersuche innerhalb der Juke Box gefordert hatte. Der Streaming-Dienst, dessen Basistechnologie vom US-amerikanischen Anbieter Mercora.com stammt, erlaubt innerhalb eines Peer-to-Peer-Netzes das Durchsuchen von Musiksammlungen anderer Nutzer nach Genre und Künstler. Das Streamen ist möglich, ein Herunterladen nicht.
Eben an der Möglichkeit der Künstlersuche entzündet sich nun die Kritik der Musikindustrie, die in ihren Verträgen zwischen "nicht interaktiven Rechten" (wie nicht beeinflussbares Internetradio) und "interaktiven Rechten" (ein durchsuchbarer Dienst) unterscheidet. Tiscali hat demzufolge nur nicht interaktive Rechte erworben und sollte für die Tiscali Juke Box nun nachverhandeln oder die Suchfunktion beschneiden.
In einem offenen Brief an die europäische Musikindustrie erhebt das Unternehmen nun schwere Vorwürfe. "Offensichtlich verstehen die Major Labels nicht das Geschäftspotenzial, das in einem Dienst wie Tiscali Music steckt", kommentiert Senior Vice President Mario Mariani in dem Schreiben. Allein in den ersten Wochen nach der Einführung des Streaming-Dienstes sei die Zahl der im verlinkten Online-Shop verkauften Titel um 30 Prozent gestiegen.
Weiter moniert Mariani die "überraschende Kurzsichtigkeit der Musikindustrie, die nicht einmal den Versuch unternimmt die Bedürfnisse oder Gewohnheiten von Musikliebhabern im Internet zu verstehen." Verwunderlich sei, dass die Labels nicht schon während der ausgiebigen Testphase ihre Bedenken zu Gehör gebracht hätten – noch verwunderlicher, dass das identische Angebot von mercora.com in den USA und Canada offensichtlich rechtlich unproblematisch sei.
Mercora.com ist ohne Regionalprüfung auch von Europa aus zu nutzen. Wer sich für das Peer-to-Peer-Streaming interessiert, kann nach dem Herunterladen der Mercora-Software Streams mit bis zu 96 kBit/s im Ogg-Vorbis-Format genießen – und darf selbstverständlich auch nach Künstlern suchen. (sha)