Wissenschaftler diskutieren Zusammenhänge zwischen Hurricans und Erderwärmung

Die Indizien für einen Zusammenhang zwischen Hurrikan-Häufigkeit und globaler Erwärmung verdichten sich.

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In den vergangenen 30 Jahren, so berichten Forscher um Paul Webster vom Georgia Institute of Technology jetzt in der Fachzeitschrift Science (Changes in Tropical Cyclone Number, Duration, and Intensity in a Warming Environment P. J. Webster, 1 G. J. Holland, 2 J. A. Curry, 1 H.-R. Chang), erwärmte sich das Oberflächenwasser der Meere weltweit um durchschnittlich 0,5 Grad Celsius. Gleichzeitig verdoppelte sich die Zahl der stärksten tropischen Wirbelstürme nahezu. Die allgemeine Großwetterlage, aber auch Klimazyklen wie El Niño haben zwar einen großen Einfluss auf diese Häufigkeiten. Bei den stärksten Stürmen erkennen die Forscher um Webster allerdings einen deutlich ansteigenden Trend, der eng mit den steigenden Temperaturen des Meerwassers und damit auch der globalen Erwärmung zusammenhängt.

Die Diskussion um die globale Erwärmung und die politische Notwendigkeit des Klimaschutzes basiert nicht zuletzt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Auswirkungen von Treibhausgasen auf die Atmosphäre: Als gesichert gilt, dass Gase wie CO2 zur globalen Erwärmung beitragen, indem sie vom Erdboden reflektierte Wärmestrahlung wie ein Treibhausdach festhalten und auf die Erde zurückwerfen. Gleichwohl herrscht unter Klimaforschern Uneinigkeit über Ausmaß und Konsequenzen des weltweiten Temperaturanstiegs. Dem Intergovernmental Panel on Climate Chance von (IPCC) wurde immer wieder vorgeworfen, Unsicherheiten in seinem Bericht herunterzuspielen und manche Forschungsergebnisse überzubewerten. Ein Beispiel dafür ist das so genannte Hockeyschläger-Diagramm des amerikanischen Paläoklimatologen Michael Mann und seiner beiden Kollegen Raymond Bradly und Malcolm Hughes.

Aus Jahresringen von Bäumen, Eisbohrkernen, Korallen und ähnlichen Daten hatten die drei den Temperaturverlauf für die vergangenen tausend Jahre rekonstruiert. Ihrer Kurve zufolge lag die Durchschnittstemperatur auf der Nordhalbkugel in den vergangenen zwei Jahrzehnten höher als im gesamten Jahrtausend zuvor. Die beiden kanadischen Wissenschaftler Stephen McIntyre (Bergbau-Berater und Mathematiker) und Ross McKitrick (Ökonom) veröffentlichten im Fachmagazin Geophysical Research Letters einen Artikel, in dem sie auf Fehler in der statistischen Analyse von Michael Mann hinweisen.

Das Brisante an diesem Disput: Was eigentlich nichts anderes als Ausdruck einer gesunden wissenschaftlichen Diskussion sein sollte, wird in der Klimaforschung sofort politisch überhöht und von den verschiedenen Parteien oder Interessenverbänden für ihre Zwecke ausgeschlachtet. Die Mehrzahl der Experten hält dagegen: Selbst wenn das Diagramm falsch sei, ändere das nichts an der Tatsache eines menschenverursachten Klimawandels im vorigen Jahrhundert, argumentieren sie. Doch auch wenn Änderungen an der Hockeyschläger-Kurve keine gravierenden Folgen für die Grundaussagen der Klimaforschung haben -- der Streit könnte das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Zukunftsszenarien der Experten erschüttern.

Zur Klimadiskussion siehe auch Technology Review: (wst)