Billig ans Breitband: DSL-Werbeaktionen für viele Kunden verwirrend

Im aktuellen DSL-Preisdschungel können Verbraucher schnell den Überblick verlieren.

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Von
  • Tobias Schormann
  • dpa

Konkurrenz belebt angeblich das Geschäft -- und das meist zur Freude der Kundschaft, heißt es. Wer derzeit einen DSL-Anbieter sucht, kann jedoch angesichts der vielen Anbieter und Sonderaktionen schnell den Durchblick verlieren. Die Deutsche Telekom und ihre Mitbewerber unterbieten sich mit "Sturzflugpreisen" und "Worauf-Warten-Wochen" gegenseitig. Der Einstieg in die DSL-Technik ist deshalb zurzeit so günstig wie nie zuvor: Neukunden können kräftig sparen. Billigangebote sollten aber in aller Ruhe geprüft werden. Grund zur Hektik besteht nicht, denn ein Ende der Preisschlacht ist Experten zufolge nicht in Sicht.

"Die Werbung für DSL-Billigangebote verwirrt viele Kunden -- oft stehen die eigentlichen Kosten nur im Kleingedruckten", warnt Anke Kirchner von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Häufig werben Anbieter nur mit ihrem Providertarif. So erfahren Neulinge erst bei genauerem Hinsehen, dass die Gesamtkosten für Privatanwender nicht unbedingt gering sind. Für den reinen DSL-Anschluss verlangt beispielsweise die Telekom je nach Bandbreite eine Grundgebühr zwischen 17 und 25 Euro.

Zudem sind lange Vertragslaufzeiten oft der Preis, den Kunden für die Billigkonditionen zahlen. Bei einer Bindung von zwölf Monaten sollte ein Vertragsabschluss gut überlegt sein, so Kirchner. Kunden sollten die Angebote in aller Ruhe vergleichen -- viele zunächst befristete Sonderaktionen würden ohnehin ständig verlängert.

Besonders Neukunden und Wechselkandidaten werden mit Gratiszugaben und verbilligten Tarifen umworben. "Für DSL-Neulinge ist daher jetzt ein günstiger Zeitpunkt für den Einstieg", sagt Falk Murko von der Stiftung Warentest in Berlin, die im Oktober 2004 mehrere Anbieter getestet hat. Zum Standard gehöre es, dass die Anschaffungskosten für die Hardware und die einmalige Einrichtungsgebühr erlassen werden -- das bedeutet eine Ersparnis von rund 200 Euro. Neukunden finden bei GMX, Arcor oder Lycos zudem sogar kostenlose Volumentarife mit 1000 Megabyte (MB) pro Monat -- für Wenigsurfer reichten diese bereits aus. Ähnliche Offerten bietet Freenet auch für Wechselkunden.

Auch die Telekom hat sich inzwischen dem Preisdruck gebeugt: Seit Dezember will sie mit ihrem Ableger Congster den Billigsektor erobern. Geboten wird beispielsweise ein Volumentarif mit 2000 MByte im Monat für 3,99 Euro -- das Angebot liegt damit gleichauf mit dem Konkurrenten GMX. Allerdings fallen bei Congster beim Überschreiten der eingekauften Datenmenge mit 1,39 Cent je MByte höhere Kosten an.

Auch bei Zeittarifen müssen Nutzer einen genauen Überblick über ihren Verbrauch behalten. Für Vielsurfer lohnt sich eine Flatrate. Auch hier fallen die Preise zusehends: Die Anbieter 1&1 und Lycos bieten diese beispielsweise seit Januar für weniger als 20 Euro an -- bisher waren es 30 Euro. Bei einer Flatrate sollten Kunden aber auf Einschränkungen achten, rät Müller. Einige Billigangebote seien keine echten Flatrates, sondern enthielten etwa ein beschränktes Volumen.

Aber nicht nur bei DSL-Tarifen, sondern auch bei den Anschlüssen hat sich der Wettbewerb verschärft. Da andere Anbieter den Telekom-Anschluss mittlerweile unter eigenem Namen verkaufen dürfen, bietet Freenet zum Beispiel den DSL-1000-Anschluss für 15,90 Euro im Monat statt 16,99 Euro bei der Telekom. Ganz reibungslos läuft diese Vermarktung aber nicht: Neukunden mussten in den vergangenen Monaten lange Wartezeiten in Kauf nehmen, da die Telekom die Anschlüsse der Konkurrenzkunden nicht rechtzeitig freischaltete.

Wartenden Kunden rät Verbraucherschützerin Kirchner, den DSL-Anbieter schriftlich zur Vertragserfüllung anzumahnen und eine Frist von vier bis sechs Wochen zu setzen. Geschieht in dieser Zeit nichts, könnten Kunden in vielen Fällen vom Vertrag zurücktreten.

In Zukunft sei ein noch stärkerer Wettbewerb um die DSL-Anschlüsse zu erwarten, sagt Prof. Bernd Wirtz von der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer, der an der Studie "Deutschland Online 2" mitgearbeitet hat. Laut der Untersuchung wird sich die Zahl der DSL-Anschlüsse von derzeit etwa 5 Millionen bis zum Jahr 2007 verdoppeln. 2010 soll es dann 17 Millionen Breitbandzugänge geben.

Diesen Boom wollen die DSL-Anbieter nicht der Telekom allein überlassen: Anbieter wie United Internet, zu denen GMX und 1&1 gehören, wollen ein eigenes DSL-Netz aufbauen. Dieses Konzept haben regionale Anbieter wie Hansenet bereits vorgemacht. Deren Angebote seien oft eine sehr preisgünstige Alternative zu den Großanbietern, sagt Warentester Murko. Auch beim Telekom-Konkurrenten Arcor gibt es günstige Paketangebote: Für 29,95 Euro monatlich erhalten Kunden dort einen ISDN- und DSL-Anschluss mit einem kostenlosen Datenvolumen von 1000 Megabyte im Monat. Beim Wechsel des Telefonanschlusses ist allerdings kein Call-by-Call mehr möglich.

Letztlich sei aber nicht nur der Preis entscheidend -- vielen Kunden sei eine zuverlässige Technik wichtiger, sagt Wirtz. So erklärt sich auch, dass T-Online bei der Stiftung Warentest auf Platz 1 landete: Die Telekom-Tochter biete den besseren technischen Service. (Tobias Schormann, dpa) / (tol)