Forschungspolitischer Kollateralschaden
Durch die unklare politische Situation nach der Bundestagswahl liegen zahlreiche wichtige Forschungsvorhaben auf Eis, kritisiert Professor Matthias Jarke, Präsident der Gesellschaft für Informatik.
Der Präsident der Gesellschaft für Informatik (GI), Professor Matthias Jarke, kritisiert, dass im Zusammenhang mit der unklaren politischen Situation nach der Bundestagswahl zahlreiche wichtige Forschungsvorhaben auf Eis lägen. Es ginge nicht an, so Jarke im Interview mit Technology Review aktuell, "dass durch solche Situationen Forschung und Innovation in diesem Land praktisch für ein halbes oder gar ein ganzes Jahr praktisch zum Stillstand kommen."
Die Gesellschaft fĂĽr Informatik veranstaltet seit Montag ihre Jahrestagung in Bonn. Noch bis Donnerstag diskutieren dort rund 1000 Experten unter anderem zu Themen wie "Emergency Computing und kritische Infrastrukturen". Ein weiterer Kongress-Schwerpunkt ist das Thema "eHealth". Dabei geht es vor allem um den sicheren Austausch von Patientendaten, eine Aufgabe, die mit der EinfĂĽhrung der "Gesundheitskarte" im kommenden Jahr weiter an Relevanz gewinnt.
Im Rahmen der Tagung wurde gestern erstmals auch der Innovationspreis der GI vergeben. Er ging an Marco Pötke vom Softwarehaus sd&m AG für seine Entwicklung der Geometrie-basierten Suchmaschine geolus SHAPE. Die neuartige, auf Geometrieanalyse basierende Funktionsweise erlaube es Unternehmen, ihre CAD-Datenbestände abteilungs-, unternehmens- und "systemübergreifend zu konsolidieren", heißt es in der Begründung der Jury. Mit dem in diesem Jahr erstmals verliehenen Innovationspreis will die GI auf "praxisorientierte Innovationen und Erfindungen aufmerksam machen, mit denen die deutsche Informatikforschung und IT-Industrie ihre weltweite Wettbewerbfähigkeit verteidigt und ausbaut". (wst)
- Siehe dazu Technology Review aktuell: '... das ist in der Informatik eine ziemlich lange Zeit.'