Hirnströme verkürzen Bremsweg

Fahrerassistenzsysteme, die die Hirnströme messen, können den Bremsweg eines Autos nachweislich verkürzen, bei 100 km/h schon um über 3 Meter.

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Von
  • Barbara Lange
  • Kersten Auel

Hirnsignale sind bereits vor der eigentlichen Bremsbewegung mess- und interpretierbar.

(Bild: BBCI/Haufe)

Wer einen Autounfall verhindern will, muss schnell reagieren. Fahrerassistenzsysteme, die die Hirnströme messen, können das Auto noch schneller zum Stoppen bringen, wie eine Forschergruppe an der Technischen Universität Berlin herausgefunden hat.

Die Versuchsreihe: Fahrer mussten im Rahmen einer Computersimulation den Abstand zwischen ihrem Fahrzeug und dem auf dem Bildschirm vorausfahrenden Auto möglichst konstant halten, um so Auffahrunfälle mit den überraschend bremsenden Verkehrsteilnehmern zu vermeiden. Die Forscher, die zum Projekt Berlin Brain Computer Interface BBCI gehören, ermittelten derweil diejenigen Hirnströme der Versuchspersonen per Elektroenzephalografie (EEG), die mit der Bremsabsicht verknüpft sind. Als Grundlage dafür dient die Erkenntnis, dass Hirnsignale bereits vor der eigentlichen Bewegung mess- und interpretierbar sind (Bereitschaftspotential, BP), etwa bei einer Notbremsung. Weiterhin wurde die ebenfalls vor dem tatsächlichen Tritt auf die Bremse messbare elektrische Aktivität der Muskulatur am Bein per Elektromyografie (EMG) aufgenommen.

In einem weiteren Schritt dienen diese Signale als Eingabe für den Bremsvorgang. Dieser erfolgte dann 130 Millisekunden früher als bei der traditionellen Fahrweise, was den Bremsweg je nach Geschwindigkeit um mehrere Meter verkürzen kann: Bei 100 km/h sind es 3,66 Meter, wie die Forschergruppe in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazin "Journal of Neural Engineering" schreibt. Dort kann man den Artikel nach einer Registrierung kostenlos downloaden. In einem nächsten Schritt planen die Forscher Tests in einem realen Auto. Einblick in die Computersimulation gibt ein YouTube-Video. (ka)