Tanz den Dawkins!

„Das egoistische Gen“ von Richard Dawkins wird als Musical aufgeführt. Wohin soll das noch führen?

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Als ich das erste Mal davon hörte, fand ich das Ganze unglaublich gaga: In Edinburgh wird „Das egoistische Gen“ von Richard Dawkins als Musical aufgeführt. Reicht es nicht, Löwen, Katzen, Kaiserinnen und tote Rockstars musikalisch zu verkitschen? Muss es nun auch noch die Evolutionsbiologie sein? Wie soll das aussehen? Ringelreihe tanzende Basenpaare? Kampfkunst zelebrierende Chromosome?

Nach dem, was der New Scientiest und andere schreiben, scheint das Stück aber ganz spaßig zu sein: Anhand einer Familie wird gezeigt, wie trickreich sich die verschlagenen Gene im Alltag immer wieder durchsetzen. Dabei singen die Familienmitglieder so Sachen wie „We Are Machines Made By Our Genes“ oder „I can't invest more till I'm sure that you'll invest more in me“ (so der Vater im Duett mit seinem Möchtegern-Seitensprung). Klingt zumindest wunderbar unkitschig.

Ist dies nun – nach den Science Slams – eine neue Stufe, Wissenschaft unterhaltsam einer breiten Masse nahezubringen? Hoffentlich. Mir fallen nämlich spontan schon ein paar Werke ein, die eine Musicalisierung verdient hätten:

  • „Eine kurze Geschichte der Zeit“ von Stephen Hawking – wäre schön, wenn Kraftwerk die Musik dazu schreiben könnte. Und beim Urknall mĂĽsste es natĂĽrlich ordentlich rocken.
  • „Engines of Creation“ von Eric Drexler – kleine Nano-Roboter singen davon, was sie einmal werden wollen, wenn sie groĂź sind.
  • „Homo S@piens“ von Ray Kurzweil – wir alle laden unser Hirn frĂĽher oder später in einen Rechner hoch. Lasst uns also singen und tanzen, solange wir es noch können!
  • „Er redete mit dem Vieh“ von Konrad Lorenz – ich stelle mir das so als eine Mischung von „Schweinchen Babe“ und „Schwanensee“ vor, nur eben mit Graugänsen.
  • „Gödel Escher Bach“ von Douglas Hofstadter – ein Krebs, eine Schildkröte, ein griechischer Held und ein Ameisenhaufen prozessieren im Rhythmus einer Bach-Fuge eine endlose Treppe herauf. Wohl eher etwas fĂĽrs Kino als fĂĽr die BĂĽhne. Hoffentlich hat Terry Gilliam noch Zeit.

Also: In der Wissenschaft ist noch genug Musik drin. Man muss sie nur herausholen. (wst)