Neuer Entwicklungsstandard für IT-Systeme des Bundes
Bundesinnenminister Otto Schily setzt das V-Modell XT in Kraft: Das Planungstool sei "optimal anwendbar" auf die Bedürfnisse der Bundesverwaltung und schaffe die Voraussetzungen, dass "IT-Projekte zielgenau durchgeführt werden können".
Seit dem heutigen Freitag gilt bei den Bundesbehörden offiziell ein neues Vorgehensmodell für die IT-Projekte der öffentlichen Hand. Ursprünglich von der in Ottobrunn ansässigen Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH (IABG) im Auftrag des Verteidigungsministeriums als Plattform zur Planung und Durchführung von Systemprojekten entwickelt, ist das V-Modell seit 1996 im Bereich der Bundesverwaltung eine verbindliche Richtschnur. Sie regelt sowohl die Abwicklung als auch das Verhältnis zwischen Auftragnehmern und Auftraggeber und gilt als Entwicklungsstandard für die IT-Systeme des Bundes und mittlerweile auch in vielen Großunternehmen.
Das Vorgehensmodell regelt detailliert, wer wann was in einem Projekt zu tun hat. Es legt die Verantwortlichkeiten jedes Projektbeteiligten fest und definiert die Tätigkeiten und Ergebnisse, die während der Systementwicklung durchzuführen beziehungsweise zu erzielen sind. Vor drei Jahren hatten im Auftrag des Bundesverteidigungs- und Bundesinnenministeriums die Arbeiten an der Weiterentwicklung des bisher gültigen V-Modells 97 durch Wissenschaftler der TU München und der TU Kaiserslautern sowie die Industriefirmen EADS, IABG, Siemens und 4soft begonnen. Insgesamt 4 Millionen Euro kostete das Update, die sich Bundesregierung und Unternehmen zur Hälfte teilten.
Gegenüber dem Vorgänger wurde das "V-Modell XT" -- XT steht für "eXtreme Tailoring" -- dem neuesten Stand des Systems Engineering angepasst, um aktuelle Vorschriften und Normen erweitert und nach dem Baukastenprinzip flexibilisiert. Das erlaubt je nach Projektart ein maßgeschneidertes Vorgehen, das durch Dokumentvorlagen wie beispielsweise Plan- oder Angebotsbausteine unterstützt wird. Die Abwicklungsplattform ist organisationsneutral gestaltet und unterliegt keiner Einschränkung durch Nutzungsrechte, sie kann daher auch außerhalb des öffentlichen Bereiches in der Projektwirtschaft lizenzfrei beliebig adaptiert und eingesetzt werden.
Auf der Veranstaltung zum Release der XT-Version an der TU München freute sich Bundesinnenminister Otto Schily am heutigen Freitag über die gelungene Public-Private-Partnership und begrüßte das neue Regelwerk als "einen Beitrag zur Qualität des Wirtschaftsstandorts Deutschland". Zugleich lobte er das Team um die Professoren Manfred Broy (TU München) und Andreas Rausch (TU Kaiserlslautern) für die beispielhafte Einhaltung des Zeit- und Kostenrahmens, durch die sie "das Modell schon mit einem Gütesiegel versehen" hätten. Das Planungstool sei "optimal anwendbar" auf die Bedürfnisse der Bundesverwaltung und schaffe die Voraussetzungen, dass "IT-Projekte zielgenau durchgeführt werden können".
Für die Großprojekte des Bundes wie die Mauterfassung, die Arbeitslosengeld-II-Software oder die elektronische Gesundheitskarte, kommt es freilich zu spät; dort hat sich offenbar schon das alte V-Modell nicht so recht bewährt. Aber auch das neue Vorgehensmodell ist zunächst einmal nur ein Werkzeug; es jetzt in den Köpfen der Systementwickler und Projektverantwortlichen zu verankern sei "eine riesige Herausforderung", bekannte der Präsident des Bundesamtes für Informationsmanagement und Informationstechnik der Bundeswehr. (Richard Sietmann) / (jk)