Der große Knall
Wer richtig stringente Wissenschaftskommunikation sehen will, kommt um die Comedy-Serie "The Big Bang Theory" nicht herum. Am 6. September startet die vierte Staffel der US-Sitcom auf PRO7. Eine kleine Vorschau.
In der September-Ausgabe von TR, die ab Donnerstag am Kiosk liegt, schreibt die Kollegin Astrid Dähn über das Phänomen der „Science Slams“: Wettbewerbe mit kurzen, wissenschaftlichen Vorträgen, in denen die Forscher schon mal mit Flammenwerfern oder Begleitbands um die Gunst der Zuschauer ringen - und durchaus auch einige hundert Zuschauer anziehen.
Wer allerdings richtig stringente Wissenschaftskommunikation sehen will, kommt um die Comedy-Serie The Big Bang Theory nicht herum. Am 6. September startet die vierte Staffel der US-Sitcom auf PRO7. Eine Vorschau.
Es hätte auch schief gehen können. Aber die Macher der erfolgreichen Geek-Serie hatten es sich offenbar gut überlegt, als sie am Ende der dritten Staffel andeuteten, auch ein so – sagen wir vorsichtig ungewöhnlicher – Topf wie Sheldon Cooper könnte sein Deckelchen finden. Der hochbegabte Physiker ist nervtötend eingebildet, voller Zwangsneurosen und ohne Gespür für die einfachsten zwischenmenschlichen Umgangsformen (Sheldon: „Möchtest Du einen Tee?“ Penny: „Nein, danke.“ Sheldon (brüht Tee auf): „Tut mir leid, das ist nicht optional.“). Was sich nicht in einer physikalischen Formel oder einem Flussdiagramm ausdrücken lässt, ist ihm suspekt. Doch sein – aus einem Kinderbuch abgeleiteter Algorithmus, der beim Freundschaft schließen helfen soll, ist mittlerweile auch in Nicht-Physiker-Kreisen Kult und hat es bis zum T-Shirt-Motiv gebracht.
Nun trifft er also in der vierten Staffel sein weibliches Alter Ego – Amy Farah Fowler ist Neurobiologin und einfach urkomisch. Sie versteht soziale Interaktionen und Gebräuche ebenso wenig wie Sheldon, betrachtet sie aber mit der Faszination einer Anthropologin. Bei ihren Versuchen, den „Einheimischen“ alles nachzumachen, kennt sie weder Scheu noch das Konzept Privatsphäre. Und so versteht sie sich mit Sheldon auf Anhieb. Mehr noch, beide sind sich schnell einig, einer geistig überlegenen Wissenschaftler-Spezies anzugehören und wollen – nach nur einer Kaffeeverabredung und vier Monaten platonischer Bekanntschaft, in der sie größtenteils per Twitter kommuniziert haben –, der Welt ein Geschenk machen: sich miteinander fortpflanzen. Und diese Verkündigung (ich gebrauche das Wort bewusst) in der ersten Folge ist nur der Anfang der üblichen Verwicklungen. Hier sind einige weitere Highlights der neuen Staffel:
- Astrophysiker Raj nimmt an einer klinischen Studie teil, um seine chronische Schüchternheit gegenüber Frauen loszuwerden. Das funktioniert auch und hat trotzdem skandalöse Folgen.
- Leonard erhält aus unerwarteter Quelle juristische Hilfe, um Sheldons abstruse Mitbewohner-Vereinbarung anzufechten. Diese regelt auf mehr als 100 Seiten nicht nur, dass er beim Zähneputzen nur hinter einer Markierung stehend auf dem Boden ins Waschbecken spucken darf, um den Spiegel nicht zu bespritzen, sondern auch, das er Sheldon mitnehmen muss, sollte er jemals eine Zeitmaschine erfinden.
- Als sich Sheldon nach einem Streit mit Amy 25 Katzen zulegt und sie nach berühmten Physikern wie Oppenheimer und Feynmann benennt, fliegen seine Freunde seine Mutter aus Texas ein. Christlich-konservativ hin oder her („Die Augen hat er von mir, die wissenschaftliche Begabung von Jesus.“) – die Frau bringt ihn knochentrocken wieder zur Vernunft.
- Ingenieur Howard landet mit einer – eigentlich für die Raumstation ISS gedachten – Roboterhand um sein bestes Stück in der Notaufnahme. Später macht er in „World of Warcraft“ einer heißen Trollfrau Avancen, und erlebt eine faustdicke Überraschung, als er herausfindet, wer das im wirklichen Leben ist. Von der Reaktion seiner Freundin Bernadette einmal ganz zu schweigen.
- Kellnerin Penny läuft zur großen Form auf, als Sheldons „World of Warcraft“-Identität gestohlen wird. Als die vier Geeks den Dieb selbst mit einem klingonischen B’athleth-Schwert nicht zur Raison bringen können, zeigt sie allen, wie Frauen solche Sachen in Nebraska handhaben.
PRO7 bringt ab dem 6. September jeweils zwei Folgen ab 22:10 Uhr.
(wst)