Chiphersteller investieren zögerlicher
Angesichts der unklaren Nachfrageentwicklung ĂĽberdenken Globalfoundries, TSMC, einige DRAM-Hersteller und wohl auch Intel Investitionen in neue Chip-Fabs.
Wegen der wirtschaftlich unsicheren Situation in den Industriestaaten wollen einige Chiphersteller – darunter Globalfoundries, TSMC, die vom Preisverfall gebeutelten DRAM-Hersteller und nach Spekulationen auch Marktführer Intel – ihre jeweiligen Ausgaben für neue Chip-Fabs überdenken.
Bereits Ende Juli hatte der weltgrößte Chip-Auftragsfertiger, die taiwanische Foundry TSMC, eine leichte Kürzung ihrer 2011 geplanten Investitionen angekündigt: Statt ungefähr 7,8 Milliarden US-Dollar will das Unternehmen nun rund 5 Prozent weniger für neue Anlagen ausgeben. Obwohl aus technischer Sicht die Einführung der ersten 28-Nanometer-Chips zufriedenstellend verlaufe, hielten sich die jeweiligen Auftraggeber mit Bestellungen zurück. Auch die Auslastung der Fabs sei bereits im zweiten Quartal gesunken und soll sich erst im vierten Quartal wieder erholen, dann aber kräftig.
Die Firma Globalfoundries gab anlässlich ihrer Hausveranstaltung Global Technology Conference am Mittwoch bekannt, dass sie 2011 wie geplant 5,4 Milliarden US-Dollar investieren werde, vor allem in die Fab 8 im US-Bundesstaat New York sowie in die Dresdner Fab 1. Allerdings hat "die Firmenleitung entschieden, alle Neubauten an allen weltweiten Standorten neu zu evaluieren, um sicherzustellen, dass sämtliche Erweiterungen exakt auf die Bedürfnisse der Kunden abgestimmt sind".
Analysten von Barclays Capital und Citigroup meinen unterdessen, dass Intel Pläne zur Umrüstung der irischen Fab 24 auf 22-Nanometer-Technik verzögern könnte. Intel hat allerdings weder diese Pläne noch deren angebliche Änderung veröffentlicht. Doch nach anderen Spekulationen hat Intel auch die Einführung der ersten 22-Nanometer-Prozessoren (Ivy Bridge) von Anfang 2012 auf März/April verschoben – eine solche Verzögerung kann außer wegen technischer Probleme auch deshalb geschehen, weil eine zu frühe Einführung neuer Produkte wirtschaftliche Nachteile bringt, etwa aufgrund schwacher Nachfrage oder mangels Konkurrenz.
SEMI, die Industrievereinigung der Chipfertigungsanlagenhersteller, hat für den Juli 2011 ein Book-to-Bill-Verhältnis von 0,86 ermittelt: Es gab also weniger neue Aufträge. Als Grund nennt der Industrieverband unter anderem das Zögern der DRAM-Hersteller, die unter dem erneuten Preisverfall leiden. Die taiwanische Firma ProMos Technologies, die bisher DRAM-Chips für Elpida fertigt, hat deshalb beschlossen, allmählich aus dem Hauptspeicher-Business auszusteigen. (ciw)