CO2-Emissionen: In den Kerker mit dem Klimakiller
Kohlendioxid-Emissionen aus Kraftwerken künftig nicht mehr einfach in die Luft zu blasen, sondern einzufangen und speichern, könnte ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz sein.
- Astrid Dähn
- Dr. Wolfgang Stieler
Kohlendioxid-Emissionen aus Kraftwerken künftig nicht mehr einfach in die Luft zu blasen, sondern einzufangen und zu speichern, könnte ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz sein. Zu diesem Schluss kommt ein 650-seitiger Sonderreport (Zusammenfassung im Internet: PDF-Datei), den das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) diese Woche veröffentlicht hat.
An dem Bericht haben mehr als hundert Wissenschaftler aus 30 Ländern mitgearbeitet. Der gängigen Lehrmeinung zufolge spielt Kohlendioxid eine entscheidende Rolle bei der globalen Erwärmung. Die Experten fordern deshalb dringend, die weltweiten CO2-Emissionen zu vermindern und so einen weiteren Anstieg des Treibhausgases in der Atmosphäre zu vermeiden. Das Einfangen und Wegsperren des Gases -- im Fachjargon Sequestrierung genannt -- sei allerdings nur eine von mehreren Möglichkeiten, das Klimaschutzziel zu erreichen; daneben müsse man auch den Umstieg auf erneuerbare Energien und die Effizienzsteigerung konventioneller Kraftwerke forcieren. In einer Energiewelt, die immer noch wesentlich auf der Verfeuerung fossiler Brennstoffe beruhe, bilde die Speicher-Technologie jedoch eine viel versprechende Komponente des Portfolios aller CO2-Vermeidungstrategien, heißt es in dem Bericht.
Als Kerker für das Treibhausgas kommen dabei ganz unterschiedliche Speicherarten in Frage. Das Kohlendioxid lässt sich in geologischen Lagerstätten aufbewahren, etwa in leer geförderten Erdöl- oder Gasfeldern. Man könnte es aber auch direkt auf den Meeresboden pumpen. In geeigneten Gesteinsreservoiren wäre es möglich, das Gas mindestens 1000 Jahre lang zuverlässig von der Atmosphäre fernzuhalten, schätzen die IPCC-Mitarbeiter.
Noch sind Einfang, Transport und Lagerung von Kohlendioxid allerdings recht energieaufwändig und teuer. Allein schon das Abtrennen des CO2 aus dem Abgasstrom eines Kohle- oder Gaskraftwerks kostet nach Angaben des IPCC bis zu 75 US-Dollar pro Tonne. Das Expertengremium rechnet jedoch damit, dass die Kosten mit Verbesserung der Sequestriertechnik um bis zu 30 Prozent sinken werden. Gleichzeitig könnte der Kohlendioxideinfang durch den internationalen Handel mit Emissionsrechten an Bedeutung gewinnen. Es ist daher vorstellbar, so die Einschätzung des IPCC-Reports, dass sich die weltweiten CO2-Emissionen mit Hilfe der Speicherverfahren bis zum Jahr 2100 um 15 bis 55 Prozent reduzieren lassen.
- Zum Thema CO2-Sequestrierung siehe auch Technology Review 09/04: Ab in den Untergrund
(Astrid Dähn) / (wst)