Niels bloggt hier nicht mehr …

… aber sein neues Buch ist gerade erschienen.

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Ziemlich genau fünf Jahre lang – immer mittwochs – hat der Kollege Niels Boeing an dieser Stelle seine Blog-Einträge veröffentlicht : Meist lange, analytische Stücke über Energie, Klimawandel oder Nanotechnik - aber egal welches Thema im Mittelpunkt stand, fast immer gab es einen starken Bezug zur gesellschaftlichen Wirkung von Wissenschaft und Technologie. Nach fünf Jahren fand Niels bedauerlicherweise aber, habe sich dieses Format für ihn „ein bisschen erschöpft“. Offline hat er dann aber doch weiter gebloggt – das Resultat ist jetzt zwischen zwei Buchdeckel gepresst worden und frisch auf den Markt geworfen: Alles auf Null. Der Nautilus-Verlag bewirbt das Buch ein bisschen mit spitzen Fingern – als „Flugschrift“ – irgendwo angesiedelt zwischen „Empört Euch “, „Vernetzt Euch “ und „Der kommende Aufstand “.

Aber keine Angst, die Kost ist gar nicht so schwer, wie sie sich auf der Speisekarte macht. Eigentlich sind die 99 Texte, die hier versammelt sind, 99 astreine Blogbeiträge – jeweils eine Seite lang. Worum geht’s? Um alles: Leben in der Stadt und Natur, Sex und Liebe, passiver Konsum und aktive Beteiligung, Vergangenheit und Zukunft, Technik und Natur – natürlich auch Mathematik: „Ich war ausgezogen, eine Antwort zu finden auf die Frage, was die Welt im Innersten zusammenhält, und ehe ich mich versah, irrte ich durch Integralwälder, schlitterte ich über Hyperebenen, verstrickte mich in Matrizen, rang ich mit Operatoren“ schreibt Niels. „Hin und wieder tat sich eine Welt von bestechender Eleganz auf, kalt und fremd. Aber wo war nun die Antwort? Und was hatte das alles mit dem Leben zu tun?“…“Mich beschlich der Verdacht, dass es sich bei der ganzen Mathematik zuerst um Herrschaftswissen handelt, mit der die moderne Weltmaschine gesteuert wird. Wenn wir die Black Boxes knacken und selbst zum Laufen bringen wollen, müssen wir die Mathematik von ihrem geheimbündlerischen Ruch befreien. Nicht jeder muss gleich ein Crack in Knotentheorie oder fraktaler Geometrie werden, aber solange Millionen sogar die Grundrechenarten Taschenrechnern mit lächerlich großen Tasten überlassen, bleiben sie abhängig von der Technokaste, die am großen Rad der Weltmaschine dreht… Mathematik ist ein Schraubenzieher, nicht mehr und nicht weniger.“

Das ist hundertmal einfallsreicher und relevanter als das hippe Geschwafel der gesamten deutschen Wired-Ausgabe. (wst)