Nokia wehrt sich gegen Ausbeutervorwürfe

Drei Organisationen, die Arbeitsbedingungen von Nokia- und anderen Arbeitern in Indien untersucht haben, kritisieren unter anderem die Entlohnung von Leiharbeitern.

vorlesen Druckansicht 81 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.

Der finnnische Mobiltelefonhersteller Nokia wehrt sich gegen Vorwürfe, Fabrikarbeiter im indischen Sriperumbudur auszubeuten. Sie würden besser bezahlt, als es von den Organisationen Finnwatch, Somo und Cividep dargestellt werde, sagte Unternehmenssprecher Doug Dawson laut einem Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Nokia zahle die höchsten Löhne in der Region. In dem von Finnwatch angestellten Entlohnungsvergleich würden auch Vergünstigungen für die Mitarbeiter wie zum Beispiel bei der Verpflegung oder Gesundheitsvorsorge nicht berücksichtigt.

Finnwatch, Somo und Cividep hatten am Dienstag einen gemeinsamen Bericht (PDF-Datei) vorgelegt, in dem sie Nokia vorwarfen, einige Löhne reichten nicht zum Leben. Für den Bericht wurden außer von Nokia die Bedingungen in den Handy-Fabriken von Salcomp, Flextronics und Foxconn in Sriperumbudur herangezogen. Nokia beschäftigt dort gut 11.000 Mitarbeiter. 19 Prozent davon würden befristet beschäftigt, 26 Prozent 16 Monate als "Lehrlinge", bevor sie voll entlohnt würden – auch wenn ihre Ausbildung wesentlich kürzer dauere.

Nokia zahlt nach eigenen Angaben monatlich zwischen 6000 und 11.666 Rupien (95 bis 186 Euro). Die Foxconn-Löhne liegen laut dem Bericht bei maximal umgerechnet 145 Euro pro Monat, Salcomp zahlt 73 bis 95 Euro und Flextronics bis zu 95 Euro. Leiharbeiter bekommen bei Nokia etwa 70 Euro, Flextronics 66 bis 88 Euro, Salcomp 67 Euro und Foxconn 80 Euro. Das Existenzminimum liege aber laut der Kampagne Asia Floor Wage in Indien bei 7967 Rupien beziehungsweise 127 Euro. Hier wendet Nokia laut Wall Street Journal ein, die Schätzung der Kampagne beziehe sich auf die Lebensbedingungen in der eher städtischen Region um Delhi, während die Fabrik in einer ländlichen Gegend angesiedelt sei.

Zimmer mit Küche, die sich 25 Nokia-Mitarbeiterinnen teilen.

(Bild: Finnwatch)

Auch den Vorwurf, Mitarbeiter würden länger als nötig im "Lehrlingsstatus" belassen, wies Nokia zurück. Die 16 Monate würden nicht als "Probezeit" gesehen, sondern tatsächlich für die Ausbildung im komplexen Produtionsablauf genutzt. Nokias Fabrik in Sriperumbudur ist die größte weltweit. Dort werden täglich 300.000 Mobiltelefone hergestellt.

Finnwatch, Somo und Cividep fordern von Nokia und den anderen Firmen, Festangestellten und befristet Beschäftigten gleiche Löhne zu zahlen – auch damit es sich die zumeist jungen Mitarbeiter leisten können, eine eigene Wohnung zu mieten, zu heiraten und Familien zu gründen. (anw)