Sounddesign: Voll auf die Ohren
Nach allen Regeln der Kunst sorgen in immer mehr Branchen Sounddesigner dafür, dass auch das Gehör den nötigen Kaufanreiz vermittelt.
Nach allen Regeln der Kunst sorgen in immer mehr Branchen Sounddesigner dafür, dass auch das Gehör den nötigen Kaufanreiz vermittelt. Sounddesign, auch Soundengineering genannt, ist eine noch junge Disziplin, die seit Anfang der neunziger Jahre insbesondere von der Automobilindustrie angewandt wird. Dort hat man früh erkannt, dass Geräusche mit Emotionen verknüpft sind und folglich Kaufentscheidungen beeinflussen können. Technology Review beschreibt das emsige Treiben in den Akustik-Laboratorien in seiner aktuellen Ausgabe.
Warum können Geräusche überhaupt Emotionen auslösen und Kaufentscheidungen beeinflussen? "Das Gehör hat eine Kontrollfunktion", sagt Friedrich Blutner, der als Deutschlands Sounddesign-Papst gilt. Blutners Synotec Psychoinformatik GmbH in Geyer im Erzgebirge testet und kreiert im Auftrag von Unternehmen Geräusche, von der Autotür über Waschmaschinen bis zum Mückenspray.
In einer Zeit, in der die Autos immer leiser und ähnlicher werden, dient der "Corporate Sound" zur Differenzierung der Marke. Im Akustiklabor bei BMW zum Beispiel arbeiten rund hundert Mitarbeiter am speziellen Klang. "Wir gehen weg von den Emissionen des Fahrzeugs und hin zu den Immissionen des Menschen", formuliert Gerhard Thoma, oberster Soundingenieur bei BMW, das Ziel. Wichtig ist also nicht, welche Geräusche ein Auto erzeugt, sondern wie der Klang von den Insassen empfunden wird. Beim Porsche 911 Carrera S etwa sorgt ein Resonator, der abhängig von der Drehzahl zugeschaltet wird, für den typischen Sound. Membranen übertragen den Motorsound auf das Metallchassis und von dort in den Innenraum, wo der Pilot das Vibrieren gewissermaßen mit dem Hintern spürt.
Mittlerweile hat auch die Nahrungsmittelindustrie diese Möglichkeiten entdeckt: Der Keksherateller Bahlsen etwa beschäftigt sich seit drei Jahren intensiv mit dem Thema -- dort lässt man die Kekse von einem so genannten Texture Analyser überprüfen. Das Gerät zerstört Kekse mit einem Keil, der wie ein Kiefer von oben mit definierter Kraft aufs Gebäck drückt. Ein Richtmikrofon hält das Klangspektrum beim Durchbrechen fest.
Mehr dazu in Ausgabe 10/05 von Technology Review: (wst)