Experten gegen private Nabelschnurblut-Banken

Zur Vorsorge im Fall schwerer Krankheiten werben Anbieter privater Institutionen mit der Einlagerung von Nabelschnurblut. Das bleibt umstritten.

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Eltern zahlen privaten Anbietern viel Geld fĂĽr das Einlagern von Nabelschnurblut, um Vorsorge fĂĽr den Fall schwerer Krankheiten zu treffen. Der Nutzen dieser MaĂźnahme ist nach heutigem Forschungsstand jedoch umstritten, schreibt das Technologiemagazin Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 6/2007.

Bis zu 2400 Euro inklusive 20 Jahre Lagerung kostet das Einfrieren des Nabelschnurbluts bei den mittlerweile sechs Unternehmen, die solche Dienste in Deutschland anbieten. Aus dem sogenannten Plazentarestblut lassen sich Stammzellen gewinnen, die sich in viele Zell- und Gewebearten wie Nerven-, Blut- oder Muskelzellen entwickeln können. Die kommerziellen Blutbanken werben mit drei großen Einsatzgebieten für die Stammzellen aus dem Plazentarestblut: Therapien bei Krebserkrankungen und Blutbildungsstörungen, Züchtung von Ersatzgewebe wie Herzklappen sowie Therapien bei Autoimmunkrankheiten wie Multipler Sklerose.

"Die bisherigen Erfolge sind wissenschaftlich unklar. Im Nabelschnurblut sind zudem viel weniger Stammzellen als im Knochenmark oder im Blut", kritisiert allerdings Professor Christoph Baum, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gentherapie. Auch die Experten der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Knochenmarks- und Blutstammzelltransplantation sind höchst skeptisch: Es gebe keine Erkrankung, bei der ausschließlich eigene Nabelschnurblut-Stammzellen helfen würden, teilt die Organisation mit. Beim Auftreten von Leukämie besteht bei einer Behandlung mit eigenen Stammzellen zudem die Gefahr, dass im Nabelschnurblut bereits Krebsinformationen enthalten sein können.

Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei empfiehlt deshalb, das Nabelschnurblut von Neugeborenen den sechs öffenlichen Blutbanken zu spenden. Eltern verzichten damit zwar auf einen exklusiven Zugriff auf das Nabelschnurblut ihres Kindes. Aber die Chance, im Ernstfall für den Nachwuchs geeignete Stammzellen zu finden, ist relativ groß, weil keine hundertprozentige Übereinstimmung der Gewebemerkmale nötig ist.

Mehr dazu in TR 06/07 (seit dem 31. Mai am Kiosk und online bestellbar):

(bsc)