Bundesnetzagentur plant bundesweite Lizenz für Mobil-TV

Auf einer Tagung von Experten der International Telecommunications Union in Mainz gingen die Meinungen weit auseinander, wie stark die Frequenzvergabe unter anderem für Multimediadienste per Funknetz liberalisiert werden soll.

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  • Monika Ermert

Die Bundesnetzagentur plant die Ausschreibung einer bundesweiten Mobil-TV-Lizenz. Das sagte der Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, bei der siebten Tagung des "New Initiative Program" der International Telecommunications Union (ITU). Die Tagung findet auf Einladung der deutschen Regulierungsbehörde in Mainz statt. Bei der regionalen Radiocommunicaions-Konferenz vergangene Woche in Genf haben die ITU-Mitglieder eine Übergangsfrist von der analogen zur regionalen Frequenzvergabe für Rundfunkdienste beschlossen. Damit werden die für eine landesweite Mobil-TV-Lizenz benötigten Frequenzen frei.

"Wir werden allerdings vor einer Ausschreibung die Ergebnisse der Konferenz erst noch genau analysieren", sagte Kurth gegenüber heise online. Das werden auch die zur ITU-Konferenz angereisten Kollegen tun, die am ersten Konferenztag in Mainz intensiv über die Zukunft der Frequenzvergabe diskutierten. Wie stark diese künftig liberalisiert werden soll, darüber gehen die Meinungen auseinander. Anirban Roy vom britischen Regulierer Ofcom sagte: "Wir befinden uns in einem beträchtlichen Veränderungsprozess." Die Ofcom will die Frequenzvergabe deutlich flexibler gestalten und viele Frequenzen für den Markt öffnen. "Es gibt eine Menge Möglichkeiten bei den Frequenzen für mobile Multimedia-Angebote", sagte Roy. Er nannte das VHF-Band III (174 bis 230 MHz), die Frequenzen von 1452 bis 1492 MHz, bestehende 3G-Frequenzbereiche, das nach dem Ende der analogen Frequenznutzung frei werdende UHF-Band und das L-Band, das man auch für verschiedene multimediale Dienste freigeben könne.

Das Ziel sei letztlich, die beste Lösung für die Kunden zu finden, "und wir glauben einfach, dass der Markt das besser kann", betonte Roy. Auch dem traditionellen Verständnis von Harmonisierung wolle man abschwören, denn trotz der vielzitierten GSM-Erfolgsstory gebe es viele Gegenbeispiele. Widerspruch erntete Roy unter anderem von seinem französischen Kollegen Eric Fournier: Die Frequenzvergabe sei längst nicht mehr das beklagte Command-and-Control-Szenario. Harmonisierung sei aber unerlässlich.

Mehr Spektrum für den zügigen Ausbau breitbandiger Mobilkommunikation forderte Horst Lennertz, Gründer und Aufsichtsratsmitglied bei E-Plus. "Nie wieder", versicherte Lennertz im Rückblick auf die UMTS-Auktionen der Regulierungsbehörde, "werden wir 8 Milliarden Euro für Frequenzen bezahlen." Die CTOs von E-Plus, Vodafone, T-Mobile, Orange, NTT DoCoMo, China Mobile und weiterer Mobilfunkgrößen hätten nun vielmehr eine Initiative gestartet, Mobilkunden bis 2010 mit 50 MBit/s und zwei Jahre später sogar mit 100 MBit/s zu versorgen. Doch dazu will man mehr Platz in den Frequenzbereichen 800 MHz und 900 MHz. "Unser Traum ist, dass wir auch an die TV-Frequenzen kommen", meinte Lennertz. "Die sind dafür notwendig." Dafür brauche man alle Hilfe, auch von Seiten der ITU. Allein auf die Mobilfunker könne die "digitale Dividende" allerdings nicht entfallen, sagte Philip Lefebre vom "Radio Spectrum Bureau" der EU-Kommission. Auch neue Dienste sollten dabei zum Zuge kommen. Die EU sei ein neuer Spieler in der Frequenzverwaltung, betonte Lefebre, allerdings sehe man die eigene Rolle ergänzend zur ITU.

"Wir wissen, dass die Unternehmen nach neuen Möglichkeiten Ausschau halten", so der deutsche Regulierungschef Kurth. "Die Möglichkeiten zu Veränderungen sind allerdings dadurch eingeschränkt, dass wir Nutzer mit lang laufenden Lizenzen haben, und solche, die viel Geld bezahlt haben." Daher werde es auch nach der Radiocommunication-Konferenz keinen "Big Bang" geben, sondern vielmehr eine langsame Anpassung. "Die wird in verschiedenen Ländern auch unterschiedlich schnell vonstatten gehen", meinte Kurth, der einer von sechs Kandidaten für die Nachfolge von ITU-Generalsekretär Yoshio Utsumi ist.

Außer mit Fragen der Frequenzvergabe und der Standardisierung beschäftigt sich die insgesamt dreitägige Konferenz am heutigen Donnerstag auch mit der Regulierung von Inhalten, dem Datenschutz und der Identifizierung. Laut ITU-Expertin Lara Srivastava sind dies weitere Top-Themen auf der Liste der Mobilfunkregulierung: Bei den Inhaltsfragen gehe es um "schädliche" beziehungsweise "für den Jugendschutz relevante" Inhalte und um das Thema Spam in den Mobilfunknetzen. Auch bei den Virusgefahren gebe es inzwischen üble Szenarien, sagte der finnische Mobilfunkstratege Panu Mustonen von Satama Interactive. Mit Blick auf das Thema Datenschutz bezeichnete Srivastava die universelle Vernetzung als Gefahr für die Privatsphäre. (Monika Ermert) / (jk)