Solarleuchten aus Plastikflaschen
Manchmal ist die Lösung verblüffend einfach: Statt Sonnenlicht mit schlechtem Wirkungsgrad in Strom zu wandeln, der dann wiederum - ebenfalls mit Verlusten - eine Lampe betreibt, kann man das Licht auch direkt in Räume leiten.
Manchmal ist die Lösung verblüffend einfach: Statt Sonnenlicht mit schlechtem Wirkungsgrad in Strom zu wandeln, der dann wiederum - ebenfalls mit Verlusten - eine Lampe betreibt, kann man das Licht auch direkt in Räume leiten.
Was sich für unsere, großzügig mit Fenstern versehenen Wohnungen und Häuser wie ein unwichtiges Luxusproblem anhört - in Bürokomplexen mag das anders sein, aber darum geht es hier nicht - ist für die Länder der so genannten Dritten Welt eine spannende Erkenntnis. Denn in den Wellblechhütten der Elendsviertel ist es in der Regel nicht nur Nachts ziemlich duster. Fenster sind schwer zu beschaffen und teuer; ähnliches gilt für Strom oder Petroleum.
Der Kollege Markus M. Heafliger berichtet für die Neue Zürcher Zeitung aus Nairobi über eine Initiative, die Slumbewohner mit „solaren Lampen“ ausstattet. Die Idee stammt ursprünglich aus den Philippinen, verbreitet sich aber offenbar weltweit recht schnell über das Internet. Die Isang Litrong Liwanag (ein Liter Licht) besteht aus einer gebrauchten Plastikflasche, die mit Wasser gefüllt wird (damit das Wasser nicht so schnell gammelt, muss man ein paar Milliliter Putzmittel oder ähnliches hineingeben). Dann schneidet man ein passendes Loch in das Wellblechdach und steckt die Flasche so durch, dass sie oben etwa zu einem Drittel herausragt. Um den Wirkungsgrad zu verbessern, kann man aus gefaltetem, mit Metall beschichtetem Papier auch noch einen kleinen Reflektor um den Flaschenhals setzen. Das im Wasser gestreute und reflektierte Licht soll das Innere des darunter liegenden Raumes so hell erleuchten, wie eine 60-Watt-Glühbirne.
Ein Freund von mir würde an dieser Stelle - wieder mal - einwenden, dass dies eine Scheinlösung ist. Denn wir haben auf der Welt kein wirkliches „Armutsproblem“ sondern nur ein Verteilungsproblem. Das ist wahrscheinlich sogar richtig. Dennoch stimmen mich Beispiele wie diese Solarlampe genauso optimistisch, wie Versuche zur Wasserentgiftung mit Plastikschnipseln, die Sterilisation von Trinkwasser mit Solarwärme oder die Vernetzung von afghanischen Dörfern mit Parabolantennen aus Maschendraht .
Ich glaube, dass in dieser Zweckentfremdung von Technologie nicht nur simple Logik der Resteverwertung steckt, sondern eine gesunde Respektlosigkeit vor der scheinbaren technischen Überlegenheit „des Westens“. Die Improvisationsfähigkeiten, die sich daraus ergeben, fehlen uns hier an allen Ecken und Enden. Was meinen Sie? (wst)