Öl von der Müllkippe

Möglicherweise müssen wir schon ab 2020 keine Müllgebühren mehr zahlen. Denn aus dem häuslichen Müll wird dann wertvoller Treibstoff gewonnen.

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Möglicherweise müssen wir schon ab 2020 keine Müllgebühren mehr zahlen. Das hält Peter Hoffmeyer, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungswirtschaft jedenfalls dann für realistisch, wenn die bis dahin vorgesehene Umstellung von der Abfallwirtschaft zur "selbsttragenden Ressourcenwirtschaft" funktioniert. Die Entsorgungsunternehmen erhielten ihr Geld dann von Leuten, die "mit dem vermeintlichen Müll noch eine ganze Menge anzufangen wissen", berichtet Carola Pahl in der neusten Ausgabe von Technology Review ( seit dem 22. 6. am Kiosk oder portokostenfrei online zu bestellen).

Rein rechnerisch könnte jeder deutsche Haushalt einen Monat nur mit der einen Tonne Hausmüll heizen, die er im Durchschnitt pro Jahr produziert – der Energiegehalt des Unrats entspricht dem von 160 Litern Heizöl. Verbrennen ist keineswegs die erste Wahl bei der Müllverwertung, doch "solange der Abfall mit guten Gewinnen ins Ausland verkauft werden kann, bleibt der wirtschaftliche Druck zur Entwicklung technischer Alternativen der Müllverwertung gering", sagt Professor Ernst A. Stadlbauer, Leiter des Labors für Entsorgungstechnik an der Fachhochschule Gießen-Friedberg.

Trotzdem hat seine Arbeitsgruppe bemerkenswerte Ergebnisse erzielt. NTK – thermokatalytische Niedertemperaturkonvertierung – heißt die Methode: In einem Glaskolben wird kleingeschnetzelter Kunststoff erhitzt, auch mit getrocknetem Klärschlamm oder Tierfett funktioniert das Verfahren. Der Katalysator gehört zur Stoffgruppe der Festkörpersäuren und hat bei der Umsetzungstemperatur von 300 bis 400 Grad Eigenschaften wie konzentrierte Schwefelsäure. Unter diesen ungemütlichen Bedingungen werden Kunststoffe in kleinere molekulare Bruchstücke zerlegt. Eine NTK-Pilotanlage zur Ölgewinnung aus solar getrocknetem Klärschlamm war ein Jahr lang im Verbund mit der Kläranlage in Füssen in Betrieb. Auf der Basis dieser erfolgreichen Pilotergebnisse soll im Herbst 2006 – teilweise unterstützt aus Mitteln der EU – eine technische Demonstrationsanlage für den Einsatz von Klärschlamm und Altfetten in der Nähe von Regensburg gebaut werden. Das Öl soll direkt vor Ort als Heizölersatz eingesetzt werden. (wst)