Regulierungsbehörde sieht einen belebten Breitband-Markt

Der Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post Mattias Kurth hat den Jahresbericht 2004 vorgelegt. Unter anderem konstatiert er, die Vielfalt des Angebots habe auf dem Telekommunikationsmarkt zugenommen.

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Von
  • Christiane Schulzki-Haddouti

Matthias Kurth, Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP), sieht eine "erfreuliche Belebung des Wettbewerbs im Breitbandzugangsmarkt". Das Jahr 2004 habe manche Befürchtungen zerstreut, es könne zu einer "Remonopolisierung" im Telekommunikationsmarkt kommen und der Wettbewerb sei durch das "Platzen der Börsenblase im Jahr 2000" geschwächt. Das sagte Kurth anlässlich der Vorlage des Jahresberichts der Behörde für das Jahr 2004 (PDF). "Während wir in den USA zurzeit neue Megafusionen im Telekommunikationsmarkt haben, hat in Deutschland die Vielfalt des Angebots zugenommen", erläutert Kurth.

Die Telekom-Konkurrenten konnten demnach ihre Marktanteile "mit großen Schritten" steigern: Nach 11 Prozent im Jahr 2003 errangen sie 2004 einen Marktanteil von 20 Prozent. Die Zahl der breitbandigen Anschlüsse stieg auf 6,9 Millionen, Ende 2003 waren es noch 4,5 Millionen. 6,7 Millionen entfielen auf die DSL-Technik, 145.000 auf Kabelmodem und nur 9300 auf Powerline. Potenziell könnten aber heute bereits drei Millionen Haushalte per Kabel erreicht werden.

Etwa 17 Prozent der deutschen Haushalte nutzten 2004 Internetdienste über einen DSL-Anschluss. Ende 2004 boten neben der Telekom über 60 Unternehmen DSL-Anschlüsse auf Basis von Resale oder selbst betriebener Infrastruktur an. Die Telekom-Konkurrenten, die immerhin ein Drittel des Neukundengeschäfts bestritten, rekrutierten sich vor allem aus den Reihen der Stadtnetzbetreiber. Immerhin bereits 246.000 Anschlüsse wurden über DSL-Resale erschlossen. Internet-Service-Provider konnten ihre DSL-Kundenzahlen mehr als verdoppeln, Resale-Anschlüsse trugen hier zu einem Fünftel bei. Internet-Service-Provider ohne eigenes Teilnehmernetz haben derzeit etwa eine Million Kunden.

"Die zunehmende Dynamik entsteht auch durch die deutlichen Abstände zwischen der Deutschen Telekom und des Wettbewerbs im Bereich der Paketangebote", erklärte Kurth. So sei ein ISDN-Telefonanschluss mit DSL-Zugang und zeitlich uneingeschränktem Zugriff auf das Internet bereits unter 40 Euro erhältlich. Einen DSL-Anschluss inklusive Telefonanschluss mit unbegrenztem Surfen und Telefonieren gebe es bereits für monatlich ab 60 Euro. Unbegrenztes Telefonieren im Inland sei bereits für monatlich 20 Euro möglich.

Obgleich in der Vergangenheit mehrfach vor wettbewerbsstoppenden Telekomtarifen gewarnt worden war, seien "diese Kassandrarufe zum Glück nicht eingetroffen", sagte Kurth. Auch im Ortsnetz konnten die Konkurrenten der Telekom ihren Marktanteil erhöhen. So konnten sie bei Verbindungsminuten im Ortsverkehr ihren Marktanteil auf rund 33 Prozent verdoppeln. "Diese Entwicklung kann sich in diesem Jahr fortsetzen", sagte Kurth, denn die Marktdynamik sei trotz neuer Tarifmodelle umgebremst.

Mobilfunkbetreiber umwerben mit Homezone-Angeboten und besonderen Minutenpreisen für Telefonate ins Festnetz am Wochenende und in der Freizeit Festnetzkunden. Vor allem die kleineren Mobilfunkanbieter E-Plus und O2 konnten ihre Marktanteile mit neuen Vertriebskanälen wie Tchibo und attraktiven Angeboten deutlich steigern. Während sich die Zahl der aus den Mobilfunknetzen versandten SMS von 21 Milliarden nur um viuer Prozent steigerte, verdreifachte sich die Zahl der MMS-Nachrichten auf 91 Millionen.

Kürzlich vom Handelsblatt berichtete Vorwürfe der EU-Kommissarin Viviane Reding, die Regulierungsbehörde gehe mit Voice-over-IP zu restriktiv um, bezeichnete Kurth als "in der Sache nicht nachvollziehbar". Nur in Norwegen gebe es derezit ein ähnlich entbündeltes Angebot, andere EU-Staaten hätten sich der Thematik noch gar nicht angenommen. (Christiane Schulzki-Haddouti) / (anw)